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Neue jüdische Monatshefte · 1919-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1919) · p. Seite 146

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 7-8 (10.1.1919)
Article
Was nun?
Date
1919-01-10
Page
Seite 146 (sequence 8)
Language
German
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144 gierten schicken, oder daß man die Gemeinden veranlaßt, nach einem demokratischen Wahlrecht Kongreßdelegierte zu ernennen. Und wenn man mich fragt, wie ich mir die Zukunft denke, so kann ich nur sagen, daß ich ein unverbesserlicher Optimist bin und daß ich der Zukunft vollen Vertrauens entgegensehe. Wenn wir treu, selbstbewußt und einig sein werden, so ist mir um die Zukunft nicht, bange. Der Kampf der Geister, ist kein Unglück; wie im Handeln, kommt es auch im Denken nicht auf die Erreichung eines Zieles, son-, dem auf, die zielstrebende" Bewegung an. Nur nicht Stagnation und Kampflosigkeit! Kampfbewegung ist alles. Aus der Bewegung wird sich, so bin ich gewiß, die Wahrheit und das ergeben, was dem Judentum und dem Vaterland und der Menschheit am besten frommt. Völkische und konfessionelle Absperrung ist nicht das MensehheitsideaL Nation und Konfession sind nur Durchgangsstufen zum höheren Menschentum. Ich glaube an den messianischen Beruf des Judentums, die Völker zu einer friedfertigen, freien und gerechten Menschheit zu vereinigen. Nachtrag : Dieser Aufsatz war im Manuskript geschrieben, ehe ich H a a s e s Ausgleich las, es seien mir ein paar Bemerkungen zu seinem Artikel gestattet. Mit seinen Schlußthesen kann man einverstanden sein und ich bin auch einverstanden, nur weiche ich in der Begründung in nicht unwesentlichen Punkten von ihm ab. 1. Zwischen meiner, Friedemanns und Oppenheimers Auffassung sind unüberbrückbare Gegensätze nicht zu finden, nur sind Friedemann und Oppenheimer zwar „abgeklärte Zionisten", aber nicht Zionisten in Reinkultur. Sie werden von den Zionisten nicht durchweg, als Zionisten anerkannt. 2. Es handelt eich nicht bloß um Theorien, die für den praktischen Politiker, gleichgültig sind, sondern um verschiedene Weltauffassungen, die in den vitalsten praktischen Fragen ausklingen. Die Theorien verwirren auch nicht die Begriffe und Gefühle, sondern sie klären sie.. Es handelt eich für uns darum: sollen wir die Synthese zwischen- Deutschtum und Judentum darin finden, daß uns Judentum Glaube und Stammesgemeinschaft, Deutschtum Volksgemeinschaft ist, oder liegt die Synthese darin, daß uns Judentum Volks- und Kulturgemeinschaft^. Deutschtum nur Staatsbürgertum ist. Das sind nicht bloß doktrinäre Betrachtungsweisen, sondern sehr naive und echte Gefühle, für die man mit Fanatismus kämpft^ deshalb ist mit dem bloßen Aufruf zur Arbeitsgemeinschaft bei gemeinsamen Zielen (Abwehr des Antisemitismus usw.) nichts geholfen; wir müssen Stellung zu der Frage nehmen, ob wir jüdische Kultur auf deutschem Boden oder deutschnationale Kultur und deutsches Volksempfinden unbeschadet unseres jüdischen Glaubens und unserer jüdischen Eigenart üben und pflegen wollen. Nur nebenher möchte ich bemerken, daß die Auffassung, es gäbe in den andern Kulturländern Westeuropas und der neuen Welt den Gegensatz, in diesem Maße nicht, nicht zutreffend ist und daß die zionistische Vereinigung den Anspruch auf Autonomie zwar

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