Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 7-8 (10.1.1919)
- Article
- Was nun?
- Date
- 1919-01-10
- Page
- Seite 145 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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143 germanisieren oder polemisieren zu lassen, wenn wir ihnen ihre jüdischdeutsche Sprache nehmen würden. Dort, wo jüdische Massensiedlung •ist und die Juden Nationalitäten gewesen sind, dort sollen sie es weiter bleiben; nur sind wir der Meinung, daß in den Ländern des Westens -die Juden nationale Minoritäten nicht sind und sein sollen, wir lehnen ^s ab, jüdische Volks gemeinden hier zu bilden, c) Wir wollen haben, daß die jüdische Gemeinde neu organisiert wird auf breitester demokratischer Grundlage, daß ein allgemeines, gleiches Wahlrecht allen gegeben wird. Wir wollen mitarbeiten an einer Zusammenfassung der Gemeinden, damit die Zersplitterung in Tausende kleiner lebensunfähiger Gemeinden ein Ende hat, und wir wollen haben, daß die jüdischen Gemeinden die großen sozialen, ethischen, apologetischen Pflichten erfüllen, die das Judentum auferlegt d) Wir wollen denen, die jüdischnational fühlen und die eine Sehnsucht nach Z l o n haben, eine Heimstätte eröffnet sehen; wir wollen haben, daß die Einwanderung und Besiedlung ihnen dort nicht erschwert und daß schon um des Deutschtums wegen unsere Fäden nach Palästina nicht zerrissen werden. e) Wir wollen, um die durch die Neuordnung der Dinge geschaffenen Fragen zu lösen, einen Kongreß haben, aber wir können an keinem Kongreß teilnehmen, der zur Teilnahme verlangt das Bewußtsein der "Zugehörigkeit zum jüdischen Volk e. Wir erkennen zwar auch die Einheit des Judentums an, aber sie ist uns keine völkische Einheit, und es sind vor allem die deutschen Juden kein Volk im. Volke. An einem Kongreß, der jüdischnationale .und deutsclmationale Juden umfaßt, wollen wir teilnehmen. Wir wollen diesen Kongreß auf breitester Grundlage geschaffen sehen, und die Fragen behandeln, die uns Juden als Juden interessieren, wir wollen dort über die Trennung von Staat und Kirche sprechen vom jüdischen Standpunkt aus. Wir wollen über die Wahlberechtigung ausländischer Juden in den Gemeinden beraten und diese Fragen lösen. Ich möchte nur darauf hinweisen, daß, wenn die Zionistcn den Begriff der Volksgemeinden aufrecht erhalten wollen, wenn sie die Erziehung unserer Jugend in Deutschland ganz auf streng jüdischnationalen Charakter aufbauen, d. h. das jüdische Kind vom Kindergarten aus durch die jüdischen Schulen bis über>die Hochschule hinaus jüdisch erziehen wollen, wir dann gar nicht daran denken würden, ausländischen Juden ein Mitbestimmungsrecht zu geben. Wir können den ausländischen Juden nur dann ein Mitbestimmungsrecht geben, wenn es sich rein um Fragen des Kultus und der Religion handelt, nicht aber, wenn es sich darum handelt, unsere Kinder in dem Sinne zu erziehen, daß sie deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens sein sollen. Der Zentralverein wird demnächst seine Delegierte nversammlung zusammenberufen und ihr in diesem Sinne ein Pro- :gramm vorlegen und die Frage erörtern, wie man einen Kongreß auf breitester Grundlage schafft, der den Willen der überwältigenden Mehrheit zum Ausdruck bringt. Die Schwierigkeiten sind angesichts der heutigen Verkehrsverhältnisse unendliche; vielleicht wird es gar nicht •anders möglieh sein, als daß alle jüdischen Organisationen ihre Dele-