Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 7-8 (10.1.1919)
- Article
- Was nun?
- Date
- 1919-01-10
- Page
- Seite 143 (sequence 5)
- Language
- German
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141 Sachwalterschaft sind. Man denke an die Konflikte mit Arabern, Franzosen u. dgl. Ich habe mit den französischen und englischen Juden keine Volksgemeinschaft und will mit ihnen keine haben; ich empfinde für sie nicht viel anders als wie für französische und englische Christen und erwarte erst die Zeit, wo Völkerbund und -Völkerfriede die nationalen Feindseligkeiten hoffentlich überwinden werden. 2. Diese fundamentalen Verschiedenheiten in der Auffassung vom Wesen des Judentums machen es uns schwer, mit unseren zionistischen Brüdern eine gemeinsame V e r s t ä.n d i g u n g zu finden, und diese Verständigung wird erschwert durch ihre Kampfesweise, die mehr ihren propagandistischen Tendenzen als einemVerständigungs willen Rechnung trägt. Wenn,wir nutzlose Proteste unterlassen, so schilt man uns feig (vgl. Blumenfeld in der „Jüdischen Rundschau11). Als wir vor der Revolution uns zu Kaiser und Reich bekannten, schalt man uns servil, und der Parteisekretär hat sich nicht gescheut, eine im Privatgespräch von mir gemachte Äußerung, daß eine kommende Zeit dieses Bekenntnis würdigen werde, zu dem gehässigen Vorwurf zu entstellen, ich hätte zugestandenermaßen das Bekenntnis in der Absicht der Liebedienerei der Konterrevolution gegenüber abgegeben (vgl. Blumenfeld in der Sitzung des Jugendbundes vom 18. 12. 18). Wenn wir gegenüber dem Bekenntnis der Zionisten zum jüdischen Volke, uns als unablöslichen Bestandteil des deutschen Volkes bekennen, so nennt man das eine würdelose Kundgebung (vgl. Leo Rosenbergim „Jüdischen Echo") und man nennt uns im Jargon der Antisemiten Denunzianten, beschuldigt uns, daß wir die Eintracht stören, als ob derjenige die Eintracht stört, der dem Bekenntnis des Gegners das eigene Bekenntnis entgegenstellt, und als ob das Selbstbestimmungsrecht nur für die' jüdischnationalen, nicht aber für die deutschnationalen Juden bestehe. Die Verständigung wird ganz besonders erschwert dadurch«, daß die Heißsporne der Partei der Leitung! noch weniger parieren wie in anderen Parteien, und daß große Kreise weit über das zionistische Ziel der Parteilleitung hinausschießen. Die zionistische Leitung vertritt wenigstens den Standpunkt, daß man in den Ländern der Diaspora ein getreuer Staatsbürger sein, an allen Rechten teilnehmen, alle Pflichten erfüllen soll, aber die Heißsporne der Partei — und man läßt sie auch in dem offiziellen Parteimoniteur gewähren — kümmern sich darum nicht, sie treiben den völkischen Gedanken in die äußerste Konsequenz, und diese äußerste Konsequenz ist die, daß sie sich mit den Antisemiten in dem Gedanken begegnen, die Juden seien hier fremd, hätten an der Kultur nicht mitzuarbeiten und sollten sich hier nur um jüd??chc Dinge kümmern. Die Artikel der Rabbinowitz in München und des Erich Cohn, dem die „Jüdische Rundschau" Aufnahme gewährt hat, obwohl sie der offizielle Moniteur der zionistischen Vereinigung ist, und von dem sie nachher wohl schweren Herzens abgerückt ist, öffnen jedem, der sehen will, die Augen. Die Geister, die man entfesselt hat, kann man nicht meistern. Man bedenke die Würdelosigkeit und die Begriffsverwirrung, die in der Auffassung Erich Cohns liegt, wir seien