Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 7-8 (10.1.1919)
- Article
- Was nun?
- Date
- 1919-01-10
- Page
- Seite 142 (sequence 4)
- Language
- German
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Synthese zwischen Religion und Vaterland, zwischen Glaube und Heimat zu finden. Wir wollten gute Juden bleiben und gute Deutsahe sein, selbstbewußt und treu sein, wie ich das bei der Begründung des Verbandes sagte, das Neue aufnehmen und das Alte nicht preisgeben, nicht vergessen, daß wir die Erben einer Vergangenheit sind, die es uns verbietet, restlos, d. h. unter Verleugnung unserer Väter und unter Preisgabe unserer Tradition in der Mitwelt aufzugehen. Wir wollen uns nicht einseitig assimilieren,, sondern das Judentum wieder beleben auf dem Boden des' deutschen Vaterlandes und mit den Andersgläubigen in einem Typus höheren Menschentums aufgehen. Die Synthese haben wir darin gefunden, daß wir Deutsche jüdischen Glaubens und jüdischen Stammes sind, daß uns das Deutschtum Nation und Volk, dafc Judentum Glaube und Stamm ist, daß uns die Stammes- und Glaubeiisart aber nicht völkisch von den Deutschen absondert, daß wir deutschnational, nicht jüdischnational, nur jüdische Religionsgemein- . schait und nicht ein jüdisches Volk, amallerwenigsten in Deutschland sind. Wir wollen gute Juden bleiben. Wir haben den Kampf gegen die Taufe der Alten und der Jungen aufgenommen, noch ehe die Zionisten auf dem Plane waren und auf das religiöse Band sonderlich Wert legten. Es ist vermessen von den Zionisten, zu sagen, daß, wer nicht Zionist ist, kein guter Jude ist. Wir könnten vielleicht mit größerem' Rechte, jedenfalls mit demselben Rechte das Gegenteil sagen, daß derjenige, der aus dem Judentum ein Wald- und Wiesenvolk, ein nach völkischer Macht strebendes, chauvinistisches, imperialistisches, von Volksleidenschaften getriebenes Volk macht, nicht1 voll den Begriff des Judentums erfaßt hat. Wir glauben, eine höhere Auffassung vom Judentume zu habere wenn wir das Volk der Religion, das Volk der Lehre nicht auf das Niveau eines weltlichen Volkes herabdrücken, das an Raum und Zeit, gebunden ist und, wie alle Völker, wie Spreu vor dem Winde .verweht. Wir glauben, daß wir die Einheit des Judentums zerreißen,* wenn wir es in die Völker einreihen, die heute um die Macht kämpfen und weit entfernt von dem jüdisch-messianischen Ziele des Völkerfriedens und des Völkerbundes sind. Warum wollen die Zionisten es auf das Volksniveau herabdrücken, während doch Christentum und Mohammedanismus ein über den nationalen Rahmen hinausgehendes geistiges Band darstellen? Die Zionisten glauben, sie müßten jüdisch-national sein, um im Völker- und Friedenskongreß anerkannt zu. werden. Wir machen diese Konzession an die Zeitlichkeit nicht mit; wir wollen nicht, daß die Glaubensgemeinschaft auf das Niveau der Volksgemeinschaft herabgedrückt wird, so wenig es den Protestanten, Katholiken und Mohammedanern beikommt, ihre Glaubensgenossen um des Glaubens wegen zu völkischen Einheiten zusammenzuschließen. Wir sind kein Volk, sprechen keine gemeinsame Sprache und wollen kein jüdisches Volk sein, weil wir nicht wollen, daß die Juden in den Streit der Völker hineingezogen werden und daß der Zusammenhang mit den Juden in der Diaspora zerrissen wird, was unausbleiblich ist, wenn die Juden in Palästina einen eigenen Staat gründen oder, dal das zurzeit eine Utopie ist, eine Nation unter englischer