Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 6 (25.12.1918)
- Article
- Zionistischer Delegiertentag
- Date
- 1918-12-25
- Page
- Seite 130 (sequence 4)
- Language
- German
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12S Stationen für don Ackerbau und für die Gartenbaukulturen erzogen werden müssen. Dies zu erreichen, ist die Hauptaufgabe der Kolonisatoren. Nicht nur, weil ganz selbstverständlich die Entwicklung des Landes organisch nur so vor sich gehen kann, daß zuerst ein breites und tragfähiges agrarisches Fundament geschafft wird, auf dem dann Handel, Gewerbe und Industrie erbaut werden. Sondern auch deshalb, weil ja eine Vorbedingung der vom Zionismus angestrebten.jüdischen Wiedergeburt die normale soziale Schichtung des jüdischen Volkes in Palästina sein muß, die zur Voraussetzung die Existenz eines wurzelfesten bodenständigen jüdischen Bauernstandes, der uns seit 2000 Jahren fehlte, hat. Aber die Bestrebungen zur Schaffung von industriellen und gewerblichen Erwerbszweigen dürfen doch deswegen nicht zurückstehen. Zumal heute schon bei dem gegenwärtigen Stande der landwirtschaftlichen Erschließung des Landes gute Aussichten für die Textilindustrie und für eine ganze Anzahl von mit der Landwirtschaft zusammenhängenden Exportin .du Strien bestehen und der Bedarf an vielerlei Gebrauchsgütern der voraussichtlich nun bald an Zahl wachsenden ländlichen und der prozentual recht bedeutenden städtischen Bevölkerung sehr wohl im Lande selbst gedeckt werden kann. Für tausende fleißiger jüdischer Hände kann . da in verhältnismäßig kurzer Zeit in Heimindustrien und Qu ii- 1 i t ä t s - und P r ä z i s i o n s i n d u s t r i e n nach Schweizer Muster lohnende Arbeit geschaffen werden. Die Besprechungen zeigten, daß diese wirtschaftlich eingehende Untersuchungen .verlangenden Kolonisationsprobleme unmöglich auf einer Tagung wesentlich gefördert würden, die noch andere drängende Fragen, wie die der Einberufung eines jüdischen Kongresses in Deutschland zu erledigen hatte. Es wurde daher ein besonderer Palästinaausschuß von Kennern des Landes und wirtschaftlich geschulten Delegierten eingesetzt, der die. Einberufung einer lediglich den praktischen Palästinafragen gewidmeten Tagung übernimmt und ihr zur Genüge gesichtetes Material vorlegt. Der zweite.Teil der Palästinadiskussion, mehr theoretischer und soziologischer Natur, war ausgefüllt von zumeist mit leidenschaftlicher Anteilnahme geführten Debatten über die Bodenpolitik. Die Möglichkeiten einer Nationalisierung des Grund und Bodens wurden eingehend besprochen. Gingen auch, je nach der persönlichen Stellung der Teilnehmer zu sozialistischen und staatssozialistischen Ideengärigen, je nach ihrer Wertschätzung der Initiative des Privatkapitals und Unternehmungsgeistes die Ansichten vielfach auseinander, so war doch der einheitliche, urjüdische Grundton unverkennbar. Praktisch soll die Bodenpolitik im jüdischen Palästina so gehandhabt werden, daß billiger Boden auch dem Minderbemittelten, sei es auf dem Wege der Erbpacht oder durch stark erleichterten Kauf, zur Verfügung stehen wird und daß Bodenwucher und Terrainspekulation in diesem Lande, das dem Volke zurückgegeben wird, niemals werden aufkommen können. Der Geist der Gerechtigkeit und der Gleichheit, der mit Feuerzungen aus jedem Wort der mosaischen Ge-