Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 6 (25.12.1918)
- Article
- Zionistischer Delegiertentag
- Date
- 1918-12-25
- Page
- Seite 129 (sequence 3)
- Language
- German
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127 mannscbaft und des Weltzionismus sich'in all den Stürmen der vergangenen 4y2 Jahre nicht nur behauptet, nicht nur den Zusammenhalt der national fühlenden Judenheit nicht hatte unterbrechen lassen, sondern mit gewaltig verstärkter Stoßkraft große neue jüdische Massen in ihren Bereich gezogen hatte, kam vor allem der Wille zum Ausdruck, ungesäumt ein. Programm des Kolonisationswerkes in Palästina aufzustellen- Alle anderen, sonst die zionistischen Tagungen bewegenden Fragen kultureller Art und der jüdischen Renaissance des Diaspora-Judentums mußten hinter diesen nunmehr primären Dingen zurücktreten. Hier setzte nun die Diskussion ein, die sich in der Hauptsache um zwei Punkte bewegte: um das Tempo der Besiedlung des Landes und um die Frage der Gesellschaftsform, die dem neuen Palästina aufgeprägt werden soll. Das offiziöse Referat Lichtlieims über die Kolonisationsmethoden, im wesentlichen aufgebaut auf den Theorien des Leiters des jüdischen Palästina-Kolonisationswerkes, Dr. Ruppin, und dos Agronomen Oettinger war außerordentlich gründlich, sachgemäß und vorsichtig aufgebaut, der Referent der Verantwortlichkeit sich wohl bewußt, die auf ihm lastete und die ihm verbot, unberechtigte, unerfüllbare Hoffnungen in den Herzen der zur Auswanderung bereiten Massen zu erwecken. Lichtheim führte aus, daß man bei einer im ersten Jahr zwanzigtausend Seelen betragenden, dann von Jahr zu Jahr gesteigerten jüdischen Einwanderung in spätestens 30 Jahrers 1% Millionen Juden nach gesunden wirtschaftlichen Prinzipien im Lande werden ansiedeln können. Die darauf folgende Zeit werde dann ein nicht unwesentlich schnelleres Tempo der Einwanderung ermöglichen. Gegen diese Darlegung wandte sich eine insbesondere von dem tüchtigen Palästinakenner Davis Trietsch vertretene Auffassung, der meinte, daß Lichtheims Programm noch zu wenig den unter englischem Protektorate in Palästina winkenden Möglichkeiten Rechnung trage und noch zu sehr auf die unter dem alten türkischen Regime ungleich größeren Schwierigkeiten der Massenansiedlung eingestellt sei. Die jüdische Besiedlung Palästinas müsse? schneller, als Lichtheim es als möglich darstellt, vor sich gehen, um zur Sicherung des nationalen Charakters des Kolonisationswerkes sehr bald eine jüdische Majorität im Lande zu schaffen. Sie könne beschleunigt werden, bei richtiger Ausnutzung all der landwirtschaftlichen, industriellen und kommerziellen Chancen, die vorhanden, seien. In der Tat dürfte Lichtheims Referat ein Minimal- und kein Maximalprogramm gegeben haben. Zweifellos wird die nach Friedensschluß sogleich" einsetzende Palästinaarbeit insbesondere der amerikanischen, englischen und russischen Zionisten einen Grad von Intensität erreichen, die das Anlegen eines bedeutend günstigeren Maßstabes für die Aussichten des Kolonisationswerkes gestattet. Die Hauptschwierigkeit bietet — das ist keine Frage — die sofortige Ansetzung jüdischer Bauern. Ein großer Teil der zukünftigen landwirtschaftlichen Bevölkerung Palästinaswird erst auf dem Wege beruflicher Umschichtung und Vorbereitung auf Lehrfarmen und Versuchs.