Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 6 (25.12.1918)
- Article
- Zionistischer Delegiertentag
- Date
- 1918-12-25
- Page
- Seite 131 (sequence 5)
- Language
- German
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129 setzgebung spricht, soll dem Neuaufbau Palästinas dio Weihe "geben und dem jüdischen Land und dem dann aufs innigsto mit ihm verbundenen Volk die Kraft geben, alle Stürme der Geschichte zu überdauern. Die letzten Stunden der Debatten der Tagung waren der Aus. spräche über das Referat Kurt Blumenfels gewidmet, der die Notwendigkeit der Einberufung eines jüdischen Kongrosses für Deutschland begründete, eines Kongresses für alio deutschen Juden, die sich national verbunden fühlen mit dem 10 Millionen-Judenvolke. Dieser Kongreß wird ein Glied sein in der Kette der nationaljüdischen Kongresse, die die Judenheit Rußlands schon im Kriege abgehalten hatten und eben jetzt in den Vereinigten Staaten die gewühlten Vertreter von 3 Millionen amerikanischer Juden zu einer machtvollen Kundgebung, erfüllt von stärkstem jüdischen Volksgeiste, vereint hatte. Die russischen und amerikanischen Judenkongresse haben sich klar und unzweideutig für die Anrechte des jüdischen Volkes auf Palästina a 1 s . n a t i o n a 1 e Heimstätte ausgesprochen. Sicforderten ferner übereinstimmend die Gewährung der nationalen jüdischen Autonomie für die Länder jüdischer M a s s e n s i e d 1 u n g. Überall im Judentum aller Länder regt es sich, erwachen die Geister, erkennen die Führer und die Massen die Notwendigkeit, der Friedenskonferenz zu beweisen, daß das jüdische Volk aller Länder sich untrennbar verbunden fühlt und die gemeinsame Sehnsucht nach einem nationalen Mittelpunkt, errichtet im Geiste jüdischer Tradition, nicht erloschen ist. „Ein Volk, ein Gott, eine Lehre, ein Land4*, das ist der Geist, der heute durch das Judentum geht. Allein das deutsche Judentum steht noch beiseite, versteht nicht, daß es seinen eigenen Lebensnerv durchschneidet, wenn es den. Zusammenhang mit dem jüdischen Volk jenseits der deutschen Grenzpfähle leugnet und fünf Jahrtausende gemeinsamer Geschichte und Blutsverwandtschaft durch papierne Resolutionen abzutun sucht. Was am deutschen Judentum noch gesund und ursprünglich, zukunftsfreudig und lebensfähig ist, wird an den Wahlen zu diesem Kongreß teilnehmen, den der Delegiertentag einzuberufen beschloß und wird zu erkennen geben, daß es nur ein Teil der deutsehen Juden ist, der sich bewußt außerhalb der jüdischen Volksgemeinschaft stellt. In feierlicher, gehobener Stimmung hatte der Delegiertentag in Anwesenheit von 1500 Gästen seine Verhandlungen begonnen. In einer Stimmung, in die andachtsvolle Schauer hineinspielten, als der unzähligen Toten gedacht wurde, die als Märtyrer ihres jüdischen Volkes die zahllosen Schlachtfelder des Weltkrieges — auch die Palästinas — decken, und als im Auftrage der Lemberger Gemeinde Dr. Klee dem Vorsitzenden Dr. llantko die Reste verbrannter Thorarollen zur Aufbewahrung und zur Erinnerung für späte Geschlechter an die Schreckenstagc der Pogrome überreichte. Unter den Klängen des hoffnungsfrohen, hebräischen Nationalliedes, der „Hatikvah", schloß die Tagung. Die Arbeit beginnt. „Israel erwartet, daß jedermann seine Schuldigkeit tut!"