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Neue jüdische Monatshefte · 1918-12-25 · Heft 6 (25.12.1918) · p. Seite 128

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 6 (25.12.1918)
Article
Zionistischer Delegiertentag
Date
1918-12-25
Page
Seite 128 (sequence 2)
Language
German
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126 röschenschlummer zu entreißen, dann nichts Unrichtigeres tun könnton, als dem alten historischen Stammvolk des Landes es verwehren, Palästina zu neuem Leben zu erwecken und so dem blutleeren Wirtschaftskörper der Türkei frische -Kräfte zuzuführen. Aber man hatte sich doch schon mit dem Gedanken allmählich .vertraut gemacht, daß unsere Generation das Gesohlecht der Wüstenwanderer sei, die „am Wege sterben" würde, ehe die Zinnen und Türme der heiligen Stadt in der Feme aufblitzen. Insgeheim in dem Herzen eines jeden Zionisten lebte freilich immer noch als zitternde Sehnsucht^ als loderndes, brennendes Wollen der Gedanke, der Glaube an das Wunder, das kommen werde, kommen müsse, um die Entwicklung so zu beflügeln, wie es dio Zionssehnsucht von Hunderttausenden und die Not der Massen verlangte: daß die Stunde zum Beginn der friedlichen Wiedereroberung Palästinas nicht um Jahrzehnte verschoben werde, sondern komme „bimliero, bejomenu" — bald, in unseren Tagen. Der Weltkrieg kam. Er brauste über jüdisches Land dahin. In Litauen, Polen und Galizien war der Himmel gerötet vom Wiederschein brennender jüdischer Städte und Dörfer, trank die zähe schwarze Erde, der Schnee von vier Wintern in Strömen das Blut jüdischer Menschen. Jahrhunderte alte Gemeinden wurden ausgerottet, in den Talmudhochschulen wucherte das Gras, wieherten die Kosakenpferde und die Rosso deutscher und österreichischer Truppen. Hunderttausende von Juden standen in Waffen einander gegenüber, zwischen Völkern und Nationen taten sich Klüfte auf, die in. dieser Generation nicht mehr überbrückt werden. Die zionistische Organisation, der in feste Formen gegossene zähe, unvergängliche Lebenswille des Judenvolkes stand in all dem Sturmesbraus unerschüttert. Dio Zionssehnsucht brannte nur noch stärker in den Herzen. Aus den Schützengräben, vom nächtlichen Patrouillengang, vom Schmerzenslager des Verwundeten, aus Qualen, Tod und trostloser Verzweiflung flogen die Blicke aus allen Ländern, wo Juden wohnten und kämpften, nur noch öfter nach dem kleinen Land am Mittelmeer. Und heute: Aus dem Munde der Vertreter sämtlicher Kulturmächte der Welt ist es kund geworden, daß das Anrecht der Juden auf Palästina anerkannt worden ist und daß schon in Kürze die zionistische'Organisation als Vertreterin des wieder in die Reihen der Nationen eingetretenen Judenvolkes mit dem Werke der Vorbereitung und Verwirklichung der Besiedlung des Landes wird beginnen dürfen. Die Schranken sind gefallen, das Wunder ist geschehen, der Traum wird Wirklichkeit. Jüdische Arbeit kann nunmehr das Vaterland erwerben, um es —< unverlierbar — für alle Zeiten zu besitzen. Vor dieser politischen Situation stand der 15. Delegiertentag der deutschen Zionisten, zu dem man sich an den Weihnachtstagen in Berlin zusammenfand. Ein glühend heißer Strom der Palästinabegeistcrung ging durch dio Reihen der Delegierten, von denen so mancher noch vor wenigen Wochen draußen im Westen den Verzweiflungskampf der deutschen Heere mit zu Ende gekämpft hatte. Neben der stolzen Freude darüber, daß die Organisation der deutschen Lands-

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