Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 6 (25.12.1918)
- Article
- Slowaken und Juden
- Date
- 1918-12-25
- Page
- Seite 126 (sequence 3)
- Language
- German
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124 die bisher die herrschende war, und durch die jetzige Umwälzung hoffentlich für immer beseitigt, wurde, sie werden heuchlerisch und scheinheilig auf die Judenverfolgungen in der Slowakei hinweisen, von dem großmütigen edlen Liberalismus der magyarischen Nation sprechen, der keine Verfolgung anderer Völker zulasse. Sie werden sich über die barbarischen Slowaken entrüsten und die einflußreichen Juden der Ententeländer auffordern, sich mit allen Kräften dafür einzusetzen,, daß die Slowakei sowie die übrigen nichtmagyarischen Gebiete Ungarns nicht den wilden, judenfeindlichen Nationalitäten übergeben werde, sondern dem stets liberalen Ungarn erhalten bleibe. Demgegenüber sei vor allem erwähnt, daß in den letzten Wochen in unzähligen kernmagyarischen Orten weit ärgere judenfeindliche Ausschreitungen vorgefallen sind als in den von Slowaken bewohnten Landesteilen. Weiters aber muß mit dem größten Nachdruck festgestellt werden, daß es sich bei den „Judenverfolgungen" in der Slowakei nicht um eine nationale oder religiöse Verfolgung von Juden gehandelt hat, sondern um einen Ausbruch der Volkswut gegen die Juden als Magyareoi. Nicht nur die Häuser und Gutshöfe der Juden wurden geplündert, sondern auch die Schlösser und Kastelle der magyarischen Magnaten und Junker, die berechtigte Wut des Volkes richtete sich ja in erster Linie gegen seine Hauptpeiniger, gegen die magyarischen Beamten und Gendarmen. Ahnt man denn in Europa, was sich jenseits der March seit Jahrzehnten abgespielt hat, daß Menschen weißer Hautfarbe wie Sklaven behandelt wurden und politisch vollkommen entrechtet wurden. Man muß mit eigenen Augen gesehen haben, mit welch viehischer Roheit magyarische Dorfnotäre. und Eisenbahner selbst bejahrte slowakische Bauern und Bäuerinnen grausam geschlagen haben, nur weil sie sich ihrer Muttersprache bedienten, daß slowakische Eltern es mit erdulden mußten, daß man sich erfrechte, ihre Kinder während der Jahre des Volksschulbesuches in der ihnen vollständig fremden magyarischen Sprache zu unterrichten, und da dies natürlich vergeblich war, lieber ganze Generationen von Analphabeten heranwachsen ließ, ehe man den Slowaken das primitivste Mcnachonrecht auf Volksschulunterricht in der Muttersprache zugestehen wollte. (Das gelegentliche schüchterne Entgegenkommen, das man in den ersten Volksschulklassen erwies, wurde durch den Apponyischen Erlaß wieder beseitigt.) In dieser unhcilschwangeren leiddurchbebten Atmosphäre hatten die Juden begreiflicherweise einen sehr schweren Stand. Das vernünftigste wäre es gewesen, sich auf jüdisch-nationaler Grundlage zu organisieren, strengste Neutralität einzuhalten und wenn nötig, ehrliche Vermittler zwischen Magyaren und Slowaken zu sein. Doch verführt von den israelitischen Notabein und gezwungen von den magyarischen Behörden, auf deren Gunst *sio durch ihre Berufsschichtung leider vielfach angewiesen waren, stellten sie sich auf Seite der Unterdrücker und vergingen sich dadurch nicht nur gegen den Geist der Gerechtigkeit, sondern begingen auch die gewaltige Dummheit, den Haß der Unterdrückten gegen sich zu erregen. Und wie wenig Dank haben sie von der magyarischen Regierung dafür geerntet. In keinem Lande