Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 6 (25.12.1918)
- Article
- Slowaken und Juden
- Date
- 1918-12-25
- Page
- Seite 125 (sequence 2)
- Language
- German
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123 Slowakei den jüdischen Bevölkerungsüberschuß Böhmens auf, denn das reine Bauernland bedurfte der Händler und der Handwerker. Es war ein reibungsloses ungetrübtes, Zusammenleben mit dem braven, gutmütigen Slowakenvolke, das während der Werktage mit sprichwörtlichem Fleiße seine ■ schwere Arbeit verrichtet, Sonntags keine Roheitsdelikte und Alkoholexzesse kennt, sondern sich freudig in bunte Farben kleidet und seinen Schöpfer lobt. Selbst 1848, als die Hörniaken aus wirtschaftlichen Beweggründen einfielen, da waren es die Slowaken der südlichen Gegenden, die, wie ich hundertmal au* dem Munde der alten Leute erfuhr, ihren jüdischen Mitbewohnern Hilfe angedeihen ließen, ihr Gut getreulich verbargen und ihr Leben schützten. Auch nach 1848 dauerte die gesicherte Stellung der slowakischen Juden fort. Sie organisierten mit zumeist mährischen Lehrern ein blühendes Schulwesen, gründeten eine mustergültige Mittelschule in Wagg-Ncustadtl, bestellten eigene Gemeindeärzte, was für die ganze Bevölkerung eine ungeheure Wohltat war. Außer Handel und Geweihe betrieben sie mit großem Erfolg auch die Landwirtschaft. Auf den jüdischen Pachtungen und Meierhöfen wurden zuerst moderne landwirtschaftliche Produktiönsmethoden eingeführt, die dann von den benachbarten Slowaken nachgeahmt werden und sie so befähigten, in der Landwirtschaft weitaus bessere Erträge zu erzielen als die Magyaren auf dem viel fruchtbareren Boden des Tieflandes. Erst 1867, dem Jahre des fluchwürdigen Ausgleichs begann eine Änderung dieses traulichen und erbaulichen Zustandes. Es war den magyarischen Grafen, insbesondere Andrassy gelungen, der Wiener Hofpartei die Wiedererrichtung -der magyarischen Staatlichkeit abzutrotzen. Die Grundlage des Ausgleiches war die erbärmliche Lüge, daß Österreich ein deutscher, Ungarn ein rein magyarischer Staat sei; die Konsequenz des „Ausgleichs'' war schamlose Unterdrückung der nichtmagyarischen Bevölkerung. Die unglücklichste Rolle spielte nun das jüdische Volk. Die herrschenden Völker der Doppelmonarch'u» reklamierten es für sich, wenn es sich um Verfälschung der Statistik und um imperialistische Unterdrückung fremder Nationen handelte. So taten es die Deutschen in den' Sudetenländern, um die aufstrebenden Gzechen niederzuhalten, so die Polen, um das ruthenische Ostgalizien zu polonisieren, so vor allem die Magyaren, um die nichtmagyarischen Städte und die weiten Randgebiete zu magyarisieren. Übrigens hatten die Magyaren Gewaltmittel reichlich notwendig, da ihre Volkszahl —- selbst alle Juden mitgerechnet, nicht die Hälfte der ungarländsiehen Bevölkerung ausmachte. Kaum ein Hundertstel der Juden konnte damals die magyarische Sprache mühselig sprechen, wohl besser gesagt, nur radebrechen. Die magyarische Minorität begann nun in der Verwaltung und Schulwesen eine barbarische Unterdrückung der Nationalitäten, bei denen die Juden gezwungen und leider vielfach auch freiwillig den Unterdrückern Schergen- und Bütteldienste leisteten. Das alles muß man sich vor Augen halten, wenn man von Judenverfolgungen in der Slowakei hört. Magyarische Agenten aus den Kreisen jener Kaste,