Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 6 (25.12.1918)
- Article
- Slowaken und Juden
- Date
- 1918-12-25
- Page
- Seite 127 (sequence 4)
- Language
- German
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125 der Welt — Rumänien nicht ausgeschlossen — haben in den letzten Jahren die wirtschaftlichen Kriegsverordnungen, die Praxis der Steuerbehörden, der Gerichte und die militärischen Musterungen so gegen die Juden gewütet wie in Ungarn. Um nur letzteres, die Blutopfer zu ermessen, muß man die Verhältnisse in der Provinz und in den Landgemeinden und nicht die Anzahl der enthobenen Juden in den Pester Banken und Zentralen berücksichtigen. Ja, als es zum schrecklichen Ende kam, da fand es die magyarische Regierung nicht einmal für nötig, ein paar hundert Mann zu schicken, um das Gut und die Leiber jener zu schützen, deren Seelen zum Bösen man verführt hatte. Doch genug von der traurigen Vergangenheit. Eine neue Zeit für alle Völker ist gekommen. Das freie tschechoslowakische Volk wird verstehen und verzeihen. Dem jüdischen Volk aber in der Slowakei (und auch im übrigen Ungarn) obliegt eine vollständige seelische Neuorientierung. Sie mögen sich aufraffen und dein Beispiel ihrer Brüder in Böhmen und Mähren folgen, die in Prag und Brünn jüdische Nationalräte eingesetzt haben. Sie sollen nicht mehr demütige Diener eines fremden Volkes sein, sondern sich auf ihr eigenes wertvolles Volkstum besinnen. Wenn durch den Spruch der Friedenskonferenz die Slowakei dem Tschechenstaate zugesprochen werden wird, dann soll der neue Staat freie, selbstbewußte Juden vorfinden und nicht mehr Magyarenknechte mosaischer Konfession. Zionistischer Delegiertenfag Von Hans Goslar, Berlin. (Zum 15. Delegiertentag der deutschen Zionisten, 25.-27. Dezember in Berlin) S|2j^f er Zionsgedanke ist aus dem Stadium schwärmerischen Sehnen* t Sra jyJ *n ^as ^er beginnenden Verwirklichung getreten. Unerhört SjlisÄ schnell ist diese Entwicklung vor sich gegangen, so wirbelnd hat sich das Rad der jüdischen Geschichte gedreht, daß es den Anschein hat, als ob die wundervoll kühnen Gedanken Theodor Herzls, des Fürsten in Israel, mit dem heißen Herzen und dem adligen Sinn, niedergelegt in poetischer Form in seinem „Altneulandu vom Märchen zur Wahrheit werden sollen. Vor dem Weltkriege war die zionistische Arbeit insofern auf einen toten Punkt angelangt, als es ihr immer mehr zur klaren Erkenntnis kommen mußte, daß der stets schärfer &ich ausprägende türkische Chauvinismus die jüdische Kolonisationsarbeif nicht über ein gewisses Maximalprogramm hinaus in Palästina zulassen werde, daß der jüdischen Einwanderung immer größere Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden würden und daß ein korruptes. Verwaltungssystem, eine unrationelle Steuertechnik und ein engherziges, nicht mit Vernunftgründen zu überwindendes Mißtrauen auf Schritt und Tritt die hoffnungsfreudigen Vorkämpfer des Kidischen Palästina entmutigen werde. Gewiß, man hoffte auf einen endlichen Erfolg der intensiven Aufklärungsarbeit, die den Türken klar machen sollte, daß sie, wenn sie schon selbst sich als unfähig erwiesen hatten, das brachliegende, menschenleere Land dem Dorn-