Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 3-5 (10.11.1918)
- Article
- Der national-jüdische Jugendtag
- Date
- 1918-11-10
- Page
- Seite 101 (sequence 4)
- Language
- German
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99 der öffentlichen Veranstaltung gerade Walter Moses zum Wort kam, dessen Ansichten auf dem Jugendtage selbst von der weitaus überwiegenden Mehrheit sowohl der Referenten wie der Diskussionsredner abgelehnt wurden. Es muß aber auch weiter als Fehler der Vorbereitung erscheinen, daß unter den wenigen Referaten zwei waren, die sicherlich fast vollkommen über die Köpfe der Versammlung gesprochen waren. Von Ostertags Ausführung galt dies in solchem Maße, daß zwei Diskussionsredner unter Beifall der Versammlung erklärten, sie hätten ihn nicht verstanden. Bei Buber zeigte es sich darin, daß während seiner Rede die Unruhe im Saale wuchs, daß eine Pause eintreten mußte, damit der nicht kleine Teil, der den Saal verlassen wollte, hierzu Zeit erhielt. Die Stellung, die man zu Buber einnimmt, kann im Rahmen dieses Aufsatzes nicht erörtert werden. Es kann aber wohl gesagt werden, daß sich nicht nur hierin zeigte, daß er nicht der geeignete Referent für einen jüdischen Jugendtag sein kann. Die Probleme, die er stellt, können literarisch erörtert werden. Es mag auch sein, daß in einer Versammlung philosophisch geschulter Erwachsener es möglich istj über ein Bubersches Referat eine nicht an der Oberfläche haftende Diskussion zu erreichen. Bei einem Jugendtag mußte es so kommen, wie es meiner Auffassung nach gekommen ist, daß die einen sich ihm anschließen, die anderen ihn verwerfen, aber beide ohne ihn voll verstanden zu haben. Das zeigte sich z. B. auch darin, duß in der Debatte selbst, soweit ich ihr gefolgt bin, nicht ein einziger Redner auf das, was Buber gesagt hatte, einging, obwohl dies doch sicherlich nicht daran gelegen hat, daß ihm etwa die ganze Versammlung zustimmte. Dann war es ein Fehler der Vorbereitung, daß die praktischen Fragen der Jugendarbeit überhaupt nicht zur Erörterung gelangten. Vielleicht war dies die Absicht der Veranstalter, die möglicherweise im wesentlichen eine Tribüne für die theoretische Auseinandersetzung haben schaffen wollen. Aber, wenn es Absicht war, erscheint der Fehler nicht geringer, denn gerade die praktischen Konsequenzen, die sich sowohl aus der Erziehungsdebatte (mit Einschluß derjenigen über das Hebräische) wie auch aus der Palästinadebatte ergeben, sind so bedeutsam, daß hierfür, wenn auch nur in Kommissionen, Gelegenheit zur Erörterung hätte gegeben werden müssen. Trotz dieser Fehler der Regie halte ich den Jugendtag für einen vollen Erfolg und gerade, weil er dies trotz falscher Anlage war, erscheint er mir um so bedeutsamer. Der Erfolg war ein zweifacher. Am Nachmittag des zweiten Tages war ein jugendlicher Redner auf die Tribüne gesprungen und hatte in sich überstürzenden Worten in den Saal gerufen, er schäme sich aufs tiefste, er schäme sich, daß in diesen Tagen, in denen sich das Schicksal Palästinas entscheidet, ein ganzer Tag lang Galuthproblemen gewidmet sei ,so daß für die Palästinaarbeit, auf die wir uns alle einstellen müßten, nur noch ein halber Tag Zeit bleibe. Diese Worte hatten stürmischen Beifall fast des ganzen Saales geweckt und der nächste Tag zeigte, wie ich glaube, daß dies keine Scheindemonstration war. Als Frau Meisel-Schochat sprach,