Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 3-5 (10.11.1918)
- Article
- Der national-jüdische Jugendtag
- Date
- 1918-11-10
- Page
- Seite 100 (sequence 3)
- Language
- German
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95 * dismus in. intensiver Arbeit in sich aufzunehmen. Wenn im übrigen gesagt ist, daß die Redner sich zum Teil auf den Standpunkt Calvarys, sum Teil auf den von Walter Moses stellten, so ist dies selbstverständlich nur eine ungefähre Umschreibung der Debatte, die innerhalb dieser Standpunkte die .verschiedensten Nuancierungen aufwies. Erstaunlich -war, mit welcher Schärfe sich mehrfach Redner, und zwar' besondere Eedner der eigentlichen Jugend, auf den Standpunkt bewußter Abkehr Von allem Lernen stellten. Sie empfänden sich als gesund und bedürften keiner Aufrufe zum Lernen, die ihnen nur Wesensfremdes bringen können, sie wollten ihr Judentum nicht lernen, vsondern leben, — wobei allerdings nicht näher gesagt wurde, worin dieses Leben bestehe. Der dritte Tag brachte ein Referat von Karl Glaser über die jüdische Schule, das sachlich recht beachtenswerte Vorschläge neben anderem zweifelhafteren enthielt. Bedeutsam war an diesem Tage vor allem die Palästinadebatte. Sie wurde eingeleitet mit einem Referat «von Walter Moses, das in den Mittelpunkt der Ausführungen die Berufsumschichtung stellte, d. h. die Pflicht derjenigen, die nach Palästina gehen, beruflich sich hier schon darauf einzustellen, insbesondere durch Erlernung der Landwirtschaft. Die Debatte brachte eine sehr ernste Rede von Rubaschoff, die den Aufbau des neuen Lebens in Palästina auf sozialer Grundlage verlangte, sowie Bemerkungen der Frau Meisel-Schochat, die vor zu großem Verantwortliehkeitsgefühl warnte. Es sei nicht so erforderlich, wie man hier vielfach meine, solche, die es ehrlich wollten, am Hinübergehen nach Palästina zu hindern; die Befürchtung, daß sie drüben ihre Ernährung nicht finden würden, sei in den meisten Fällen übertrieben, wenn man sich nur von dem Gedanken freimacht, als ob man nur hinübergehen könne, wenn man auch bequem sein Auskommen finde. An diesen Gedanken knüpfte Julius Berger an, der gleichfalls mehr Opferbereitschaft forderte. 2m praktischen Teiü seiner Ausführungen wandte er sich gegen die Annahme, als ob nur Landwirtschaftler in Palästina gebraucht würden. Die interne Sitaung am Dienstagnachmittag war nur Organisationsangelegenheiten gewidmet. Die Beschlüsse, die angenommen wurden, galten neben Statutenfragen der Hebraisierung. Ein vierzehngliedriger Ausschuß wurde einstimmig gewählt. Er ist auf der Grundlage aufgebaut, daß alle Verbände, die auf dem Jugendtag vertreten waren,, im Ausschuß eine ihrer Zahl entsprechende Vertretung erhalten. Wenn nun, eine kritische Würdigung der ganzen Veranstaltung gegeben werden soll, so kann naturgemäß nicht zu den einzelnen Referaten Stellung genommen werden. Es kann vielmehr nur der Jugendtag als Ganzes gewertet werden. Da muß zunächst gesagt werden, daß die Vorbereitung eine schlechte war. Vielleicht lag dies daran, daß es der erste Jugendtag war, daß noch keino verantwortliche Leitung bestand, die die Vorbereitung vornehmen konnte, daß auch die Strömungen und Stimmungen nicht bekannt genug waren. Sonst hätte es-nicht geschehen dürfen, daß bei