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Neue jüdische Monatshefte · 1918-11-10 · Heft 3-5 (10.11.1918) · p. Seite 102

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 3-5 (10.11.1918)
Article
Der national-jüdische Jugendtag
Date
1918-11-10
Page
Seite 102 (sequence 5)
Language
German
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100 die bo leise sprach, daß man sie kaum in den ersten Reihen verstehen konnte, scharte alles, was im Saale war, sich dichtgedrängt um die Rednertribüne und hörte die Rednerin, die gebrochen Deutsch sprach und sich dadurch in häufigen Wiederholungen bewegte, vom ersten bis zum letzten Augenblick lautlos an. Kaum etwas hätte deutlicher als diese unscheinbare Begebenheit zeigen können, wie tief in der jüdischen Jugend die Sehnsucht ist, von Leuten, die bereits das Glück haben, in Palästina zu sein, Worte von Palästina zu hören und zu erfahren, wie sie sich auf Palästina einstellen könnten. Die Gründung einer deutschen Abteilung der Hechaluzorganisation bewies, daß dieser Wille nicht mehr nur in Worten lebt. Aus vielem, das in einzelnen gar nicht wiedergegeben werden kann, sah man während der ganzen Tagung, wie sehr die Gruppe der jüdischen Jugend im Wachsen begriffen ist, die sich für ihr zukünftiges Leben vollkommen auf Palästina vorbereitet. Und ob man den praktischen Vorschlägen von Moses (zur Palästinafrage) im einzelnen zustimmt oder sie ablehnt, so zeigten doch auch sie und zeigt der ganze Kreis, der hinter ihnen steht, wie stark der Wille ist, das ganze Leben auf dieses Ziel hin einzustellen. Dieser Wille, der immer wieder sich erkennen ließ, hat zweifellos auf den Jugendtag selbst-sich starke neue Kreise erobert. Es war unverkennbar, daß das Streben nach Palästina in ganz anderer Weise diese Tagimg beherrschte, als es bei früheren zionistischen Tagungen gewesen war. Und wenn die Wirkung, die -der Jugendtag nach dieser Richtung hin ausgelöst, hat, auch nur bei einigen erfolgreich bleibt, so ist die Tagung sicherlich nicht umsonst gewesen. Und ähnliches war für die Galutharbeit zu beobachten. Es ist, auch wenn man es nicht überschätzt, als Symptom sicherlich bedeutungsvoll, daß in der internen Sitzung die Veröffentlichung lediglich einer Rede des Jugendtages beschlossen wurde und daß dies diejenige ist, die die stärksten Forderungen an die national-jüdische Jugend stellt. Es soll die in der Debatte gehaltene Rede des Schreibers dieser Zeilen veröffentlicht werden. « Ohne die Zustimmung zu ihr irgend zu überschätzen, muß dies doch als ein Zeichen dafür gewertet werden, daß in weiten Kreisen der Jugend der Wille auf positive Einstellung zu jüdischen Werten besteht. Diesen Schluß ziehe ich auch noch aus einer Reihe anderer Imponderabilien wie auch insbesondere aus der Art des Widerspruches gegen das Moses sehe Referat, aus der Stärke und Zahl der Zustimmungserklärungen zu den historisch orientierten Reden, zu denen vor allem auch die beiden Aufsätze von Hans Goslar in der Jüdischen Rundschau vor und nach dem Jugend tag gehören.. In diesem Willen zur Einstellung auf positiv jüdische Werte und zur inneren Durchdringung des einzelnen mit den jüdischen Kulturwerten sehe ich den zweiten Erfolg des Jugendtages.

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