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Neue jüdische Monatshefte · 1918-11-10 · Heft 3-5 (10.11.1918) · p. Seite 99

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 3-5 (10.11.1918)
Article
Der national-jüdische Jugendtag
Date
1918-11-10
Page
Seite 99 (sequence 2)
Language
German
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* 97 rückfindet-und dabei wieder~die unbefangene Liebe zur freien Natur kennen lernt; er forderte weiter in begeisterten Worten den Anschluß der jüdischen Jugend an soziale Ideale, die in Anlehnung an Tolstoi am Aufbau der neuen Gesellschaft als Gleiche unter Gleichen mitwirken wollen. Die Referate am Montag hatten in der Problemstellung eine gewisse Einheit. Bub er sprach über Jugend und Religion, Calvary und Oster tag über jüdische Erziehungsfragen und Arlosoroff über Hebräisch. Bub er ging in seiner Rede nicht von dem aus, was nach historischer Auffassung unter der jüdischen Religion verstanden wird. Er sprach zunächst über das Verhältnis der Jugend zur Religion im - allgemeinen, wobei er unter Religion die Erfassung der im Innern des einzelnen Menschen sich kundgebenden Offenbarung verstand, und forderte von der jüdischen Jugend, daß sie diesem Erleben der göttlichen Stimme im Menschen gegenüber sich nicht achtlos verhalten, sondern ihr ganzes Innere davon durchdringen lassen, ihr Leben darauf aufbauen müsse. Konkreter nahm Calvary zu dem Problem Stellung. Er verlangt, daß schon von früher Jugend an dem Kinde jüdische Bilder nahegebracht würdep. Schon in der Erziehung des jungen Kindes läßt sich durch Einkleidung der Märchen und Spiele in jüdisches Gewand hier der rechte Boden für die Entwicklung schaffen. In der weiteren Erziehung sei die Anlehnung an jüdische Formen unerläßlich. Ohne eine Anknüpfung an das Historische sei jedenfalls ein Aufbau neuer jüdischer Kultur nicht möglich. Gerade diesen Gedanken lehnte Oster tag ab. Er ist der Meinung, daß die positiven Werte, die die alten jüdischen Formen zu vermitteln vermöchten, weit überschätzt würden. Nicht in der Übernahme alter Formen liege die Rettung, sondern darin, daß Werktag und Ruhetag wieder zu einer inneren Einheit verschmolzen würden,-statt daß heute den meisten der Werktag unjüdisch und nur der Ruhetag jüdisch sei. Wie diese Verschmelzung vorzunehmen sei, sagte er nicht. Arlosoroffs Referat war ein Aufruf zur Hebraisierung. Die anschließende Debatte ließ deutlich drei Strömungen erkennen, die etwa mit einer Zustimmung zu Moses einerseits, zu Calvary andererseits zu umschreiben sind, während für das dritte in den Referaten noch kein Vorbild gegeben war. Für dieses Dritte trat der Schreiber dieses Berichtes ein. Er forderte vom nationalen Standpunkt eine vollkommene Anknüpfung an das überlieferte Judentum. Nationalkultur könne nicht aus dem Nichts heraus geschaffen werden, sie müsse anknüpfen an die vorhandene jüdische Kultur, die aber nur, oder doch weit vorwiegend auf dem Boden der Religion erwachsen sei. Nach der negativen Seite hin bringt die Befolgung der Religionsgesetzo die Unmöglichkeit jeder Assimilation (Verbot der Mischehe, Speisegesetze, Sabbathruho usw.), nach der positiven Seite Durchdringung mit nationaler Gesinnung (Festtage, Gebete usw.). Vor allem aber sei es notwendig, die jüdischen Kulturgüter kennen zu lernen, wenn neue jüdische Kultur erstehen sollte. Dazu sei es notwendig, das gesamte Schrifttum von der Bibel bis herunter zu den Schöpfern des Chassi-

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