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Neue jüdische Monatshefte · 1918-11-10 · Heft 3-5 (10.11.1918) · p. Seite 95

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 3-5 (10.11.1918)
Article
Die jüdische Frau und der Chassidismus
Date
1918-11-10
Page
Seite 95 (sequence 4)
Language
German
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93 mit ihrem Manne, sondern sie ist hier der aktivere Teil. Sie kontrolliert alle Heiratsanträge und tritt diesbezüglich in Briefwechsel mit dem Zaddik, der ihr durch seinen Geschäftsführer (Gabai) Bescheid gibt. So hat sich die Frau ihren Platz im Chassidismus errungen. Sie und die Bewegung haben sich gegenseitig beeinflußt. Sie hat dem Chassidismus neue Kraft und Stärke verliehen und ihm. viele Jünger zugeführt. Sie hat den Chassidismus in ihrem Haus, im Herzen ihres Maines, ihrer Söhne und Schwiegersöhne gehegt und gepflegt. II. Der Chassidismus räumte der Frau das Recht ein, selbst die Stufe eines Zaddik "zu ereichen. War sie dessen würdig, so stand ihr nichts im Wege. Und tatsächlich kennt der Chassidismus einige Frauen, die eine solche hohe Stufe erreicht haben, die zu erlangen nur wenige Männer würdig waren. Odel, die Tochter des Beseht, war eine Zaddikin. Beseht sagte von ihr, daß ihre Seele vom reinsten Seelenquell entnommen sei. Den Namen Odel gab er ihr nach den Anfangsbuchstaben des Bibelverses: „Ein göttlich Feuer ist in ihnen". Ihr Gatte war kein Zaddik. Er war lediglich ein gelehrter Chassid, wie so viele andere in der Chassidgemeinde. Sie aber war die Zaddikin. Zu ihr strömten die Chassiden, den Segen zu empfangen und ihren Gesprächen und Erzählungen, über den Beseht zu lauschen. Sie hat ihre beiden Söhne, die berühmte Zaddikim waren, erzogen: R. Efraim aus Sdilkow und R. Baruch aus Medzibosh, der nach dem Tode des Beseht, als kleines Kind, ihre ganze Aufmerksamkeit und Liebe besonders auf sich lenkte. Auch von ihrer Tochter, der Mutter des R. Nachman von Brazlaw, sagte man, der heilige Geist sei in ihr. Ihr Einfluß auf R. Nachman war viel bedeutender, als der seines Vaters, welcher nur ein Durchsclinittsehassid war. Die Tochter des Zaddik R. Josua-Heschel, „des Heiligen von Aptau, Rachel, war in den chassidischen Kreisen wegen ihrer Kenntnisse in der Agadah und chassidischen Literatur bekannt Eine große Berühmtheit erlangte Chana-Ch&ja, die Tochter des Zaddik Rabbi Mordchai, des „Predigers von Czernobyl". Sie besaß ein gutes, wohltätiges Herz. Ihre Brüder, die berühmte Zaddikim waren, sagten von ihr, es bestehe kein geistiger Rangunterschied zwischen ihr und ihnen. Tatsächlich pflegten sie viele Chassidim zu besuchen, um aus ihrem Munde überlieferte Aussprüche .von Zaddikim zu vernehmen und den Segen zu empfangen. Wenn den bisher erwähnten Frauen das hohe Verdienst ihrer Väter bei der Erreichung so hoher Stufen beistand, so ist eine andere Frau den chassidischen Massen bekannt, die aus eigenem Antrieb hm zur Würde eines Zaddik emporstieg. D\s ist die rätselhafte Figur, die anfangs des 19. Jahrhunderts auftrat und in den chassidischen Sagen unter dem Namen der „Jungfrau von Ludomir" (Die Ludmirer Mojd) vor-

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