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Neue jüdische Monatshefte · 1918-11-10 · Heft 3-5 (10.11.1918) · p. Seite 91

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 3-5 (10.11.1918)
Article
Heiliges Volk
Date
1918-11-10
Page
Seite 91 (sequence 9)
Language
German
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69 der Zweckmäßigkeit als Methode und erklärt die Diktatur der Sittlichkeit Sie läßt keine amoralischen Begriffe gelten und wandelt sie zu den unmoralischen. Wird eine neue Institution geschaffen, so fragt sie nicht, ob sie Ökonomisch möglich und zweckmäßig ist, sondern ob sie sittlich oder unsittlich ist „Daß der Mensch über alle Begier aus Notdurft und über alle Gewalt des Weltlichen hinaus sich zum reinen Dienst des Nächsten erhebe und, wo ein Widerstreit beider auftaucht, er das Leben der Kreatur preisgebe, damit er das Leben im Geiste wahre." Man sieht: der Kreis schließt sich: wir sind wieder bei der Gemeinde angelangt Nicht der jüdischgeborene, sondern nur, wer dieser Forderung sich beugt, wird als Jude anerkannt. Die anderen sind ausgestoßene Sadduzäer. Der Begriff der Nation verengt sich zum Kreis einer Gruppe' gleichen Wollens, das Volk hört auf zu existieren, und das was bleibt, das allein, die Gemeinde, ist nicht wie andere Völker. Es gibt kein heiliges Volk, es gibt nur eine Gemeinde der Heiligen! Unsere Aufgabe. „Wir sind ein V o 1 k, e i n Volk" — und keine Gemeinschaft. Was Goldmann unerhört erscheint: wir sind „eine moderne Nation", ob wir wollen oder nicht Nur ist die Tendenz zur-Gemeinschaft in unserem Volke stärker als in anderen Völkern, die Zwiesprache mit Gott eine innigere. Drum werden unsere neuerbauten Tempel weiter ins Land ragen. Wir haben einen ungeheuren Vorsprung, hier wie auf anderen Gebieten — und darum werden wir in vielen Gebieten an der Spitze stehen. Der Wettlauf um die Palme der kulturellen Werte wird uns nicht als Besiegte sehen. Aber wir werden ein Volk sein wie andere Völker und nie den Boden der Gesellschaft verlassen. Gebietet die Zeit den Völkern, kapitalistisch zu sein, so werden auch wir es sein, nur werden gleichzeitig die Schäden und Auswüchse des Kapitalismus bei uns am weitestgehenden gemildert werden. Ermöglicht die Zeit den Völkern, sozialistisch zu sein, so werden wir als erste das Ziel erreichen. Und wird die Zeit reif, daß sich die Staaten im Rechtsbund zu friedlichem Nebeneinander fügen, so werden wir es als Erfüllung unserer Hoffnung preisen. Nie aber werden wir antikapitalistisch sein, nur weil wir die Unbedingten und anders als die anderen Völker sind. Nie werden wir unter Verkennung der Zeit wie der Grundbegriffe einen Juden-Zukunftsstaat künstlich aufbauen und ideologisch konstruieren, weil wir das heilige Volk sind. Jeder einzelne von uns kann sittlicher sein als ein Fremder, unser Volk kann nur weiter entwickelt sein. Zwischen den einzelnen kann es eine qualitative Grenze geben: heilig oder unheilig; zwischen Völkern gibt es nur quantitativ abgestufte Sittlichkeit. In unserem Reiche werden die Priester ihre Heimat finden — aber es wird kein Reich .von Priestern sein. Schlußwort zum Nachdpnken. Man hat Angst, daß Palästina des jüdischen Geistes leer bleibe und gibt die Parole aus: Schutz des nationalen Geistes! Aber wer das

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