Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1918-11-10 · Heft 3-5 (10.11.1918) · p. Seite 92

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 3-5 (10.11.1918)
Article
Heiliges Volk
Date
1918-11-10
Page
Seite 92 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2908689-2908735-2908739-2911420--2139-2911490
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

90 Palästinaproblem konkret betrachtet, wird sehen, daß es sich dort vielleicht einmal darum handeln wird, zunächst die nationale Arbeit zu schützen. Dies ist Voraussetzung für jenes. Man muß verhindern, daß jüdische Latifundienbesitzer den Boden von Nichtjuden bebauen lassen; daß jüdische Aktionäre von nichtjüdischer Arbeit leben; und wenn schon dies erreicht ist: daß nicht in Palästina lebende Aktionäre die Erträgnisse des Landes heraussaugen, statt daß diese dorteelbst investiert werden. Hat man sich in den Kreisen der „Sittlichen" schon überzeugt, wie dies zu machen ist und ob es sittlichere Wege gibt als jenen, den wir in Rumänien, Polen usw. als so brutal empfinden? Mit der wiederholten Aufforderung zur unbedingten Tat allein ist wenig geholfen — fruchtbarer wäre es, hier eine Antwort zu erteilen. Die jüdische Frau und der Chassidismus*) Von Dr. S. A. H o r o d e z k y, Bern. I. as offizielle, d. i. das rabbinistische Judentum, hat der Frau stets das Recht entzogen, unmittelbaren Anteil am religiösen Leben & zu nehmen. Einerseits befreite es die Frau von vielen Vorschriften, die den Juden binden, als ob es ihr die religiösen Angelegenheiten überhaupt verschließen wollte. Andererseits unterwarf es die Frau den Vorschriften und Geboten viel mehr als den Mann, der Lehrer und Gesetzgeber ist. Während der Mann mit der Religion aufs innigste verknüpft ist, steht die Frau außerhalb ihrer Grenzen und ist dem Joche des Befehlenden unterworfen. Sie richtet an ihn nur Fragen rituellen Inhalts und er antwortet kurz ja oder nein. Sie darf nicht fragen, warum und wozu? Das Studium religiöser Bücher wurde ihr verboten. „Wer seiner Tochter die Thora unterrichtet, lehrt *ie Leichtsinn/' sagten die Alten. Sie gingen sogar soweit, der Frau das Gebet, das der Vermittler zwischen Mensch und Gott sein, soll, zu entfremden, indem sie sagten, es sei ihr gestattet zu beten, sie sei aber nicht dazu verpflichtet. Vielleicht befürchtete der Rabbinismus, daß die Frau durch das Gebet die Sprache desselben erlernen und im Laufe der Zeit ein tieferes Wissen erlangen könnte. Zufolge der rabbinistischen Bestimmung liest die Frau die Gebete, aber sie versteht sie nicht. Diese Stellung der Frau in der jüdischen Religion war für das Judentum ein großes Unglück, denn es mußte den Einfluß des starken, religiösen Gefühls, wie es im Herzen der Frau lebt, vermissen. Auch konnte die Frau ihre Kinder nicht im religiösen Geiste erziehen, konnte ihnen nicht die frische, lebendige Religion beibringen, sondern mußte sich mit *) Der wertvolle Vortrug, der in unserem Sonderheft ..Die jüdische Frau" erscheinen sollte und aus technischen ()runden leider zurückgestellt wurde, wird in diesem Heft zum Abdruck gebracht, <la wir annehmen, daß er den vielen Lesern des Frauenheftes sehr willkommen sein wird. I). Red.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.