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Neue jüdische Monatshefte · 1918-11-10 · Heft 3-5 (10.11.1918) · p. Seite 85

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 3-5 (10.11.1918)
Article
Heiliges Volk
Date
1918-11-10
Page
Seite 85 (sequence 3)
Language
German
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63 jedoch von dieser Änderungbleibt die Einstellung unverändert, insbesondere Meibt die äußere Existenz der Nation als Gegebenheit, ohne daß Teile der Nation ausgeschlossen werden. Das nennen wir den Nationalismus. c) Erscheint auch dieser Zusammenhang' ein äußerlicher, erkennt man, daß trotz der Blutsbande mit vielen keine engeren Beziehungen bestehen als früher im Staate, so trennt man sich gleichermaßen von Patriotismus und Nationalismus: an Stelle der vorhandenen Gegebenheit tritt der Zusammenschluß auf Grund freier Auswahl einzelner Menschen. So entstellt die Gemeinschaft (wobei noch, jedoch weniger wesentlich, zu unterscheiden ist, ob die Blutszugehörigkeit Voraussetzung wahrer Gemeinschaft bleibt oder nicht). Gemeinde und Gesellschaft, Patriotismus und Nationalismus fallen im Einheitsstaat zusammen, im Nationalitätenstaat klaffen sie auseinander. Die Gemeinschaft dagegen kann weder mit dem Staat noch mit i der Nation zusammenfallen. Zwar kann sie es wünschen und von beiden verlangen, daß sie sich zu Gemeinschaften verklären, sie betrachtet die ihr noch nicht zugehörigen Mitglieder von Staat oder Nation noch nicht als verloren, sucht noch auf sie einzuwirken, aber im letzten Grunde erkennt sie doch nicht mehr die Geburt, sondern nur die Wiedergeburt, nicht die äußere Eingliederung, sondern nur den inneren Willen als Kriterium der Zugehörigkeit an. So bleibt die Gemeinde stets nur ein Teil der G e s e 11 s c h a f t. Die' Gemeinde der Heiligen Görland unterscheidet in seiner „Ethik als Kritik der Weltgeschichte'4 drei Formen des gesellschaftlichen Zusammenschlusses: die Ökonomie, den Staat und die Gemeinde. Ohne diese (uns unzulänglich scheinende) Teilung zu zergliedern, wollen wir seine Formulierung der Gemeinde im Gedächtnis behalten: „Die Gemeinde entzieht sich allen positiven Eingriffen der Ökonomie und des Staates. Beide können hindern, aber beide sind auch Bedingungen, ohne die ein Gemeindelcben nicht gedeiht. Aber weder Ökonomie noch Staat ist Gemeinde, noch werden sie Gemeinde zu irgendeiner Zeit werden. Sie hat über ihnen und ewig vor ihnen voraus ein freies Reich. Denn Gemeinde in jeglicher Gestalt ist Gemeinde der Heiligen. Alles Leben der Gemeinde setzt voraus, daß die Unterschiede der Menschen, die von der Ökonomie und dem Staate hcr- •vorgebracht sind, nur Oberfläche und Wesenlosigkeit bedeuten. -Fürst und Bettler sind in*der Gemeinde Mensch, nichts als Mensch, sind Mensch in der Unendlichkeit der Würde. Diese Würde, als Unterschied zu allem bloßen Preise, ist mit dem Mensehen unlöslich verbunden. Aber nicht die Natürlichkeit des Menschen ist die Heiligkeit seiner Würde, sondern, daß er über alle Begier aus Notdurft und über alle

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