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Neue jüdische Monatshefte · 1918-11-10 · Heft 3-5 (10.11.1918) · p. Seite 84

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 3-5 (10.11.1918)
Article
Heiliges Volk
Date
1918-11-10
Page
Seite 84 (sequence 2)
Language
German
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e>2 kung bloß auf konkrete Ziele den Todeskeim sich einpflanzen will, muß von einem festen Prinzip über Grund, Bestimmtheit und Aufgabe aller Gesellschaftsordnung ausgehen". (Stammler.) Gesellschaft. Gesellschaft an sich ist noch kein eindeutiger Begriff. So wäre B. zu unterscheiden,- ob die Wirtschaft (Ökonomie) oder das Recht (Staat) mehr im Vordergrund stehen. In jedem Falle aber ist Grundlage der Gesellschaft: das Bedürfnis, das Aufeinanderangewiescnsein. Sicherung, Erhaltung oder Verstärkung der physischen Existenz trieb die Menschen zusammen, sozialisierte sie, schuf Arbeitsgemeinschaft und Arbeiteteilung, schuf das abschließende Gebäude der Zusammengehörigen und Zusammengeketteten. Der Neugeborene tritt mit der Geburt bereits in diesen Kreis hinein. Es ist nicht sein Wille, aber wenn dieser erwacht, sieht er," das er von den andern lebt wie er für die anderen schafft. Er ist Arbeiter, Angestellter in einem riesigen, stets wachsenden, sich internationalisierenden, sich sozialisierenden Betrieb, er tut seine Arbeit und nimmt, seinen Lohn. Freiheit besitzt er nur insofern, als er die Stellung wechseln, eine andere Gesellschaft, einen anderen Staat aufsuchen kann — aber Stellungsloser zu werden, verbietet ihm der Hunger. Gleichgültig .wer am Nebentisch sitzt, gleichgültig wer die Leitung in Händen hat: wenn nur das Unternehmen so gut geht,"daß der einzelne Nutzen davon ziehe und wenn nur die Verwaltung so erfolgt, daß er nicht um seinen gerechten Lohn betrogen werde. Staat, Nation und Gemeinde. Die Gesellschaft als- Zweckmäßigkeitszusammenschluß im Zeichen der Notwendigkeit und Bedingtheit ist nur das Fundament. Die inneren Dinge des Menschen, seine dreifache Liebe: zu den Menschen, zum Wert und zu Gott streben danach, die mechanisierten Zusammenhänge durch warm pulsierende Bindungen r,u ersetzen. Hier trennen sich die Wege, je nach der Begrenzung der durch Gefühlsgleichheit zu bindenden Menschenzahl nach vorwiegend dreifacher Richtung: a) Nächstliegend ist es, den äußeren Bund so hinzunehmen, wie man ihn .vorfindet: als Staat. Die. Staatsbürgereinheit, das Volk im' juristisch feststehenden Sinne, wird Inhalt eines idealistischen und verklärenden Strebens. Man liebt den Staat und proklamiert die Verteidigung bis zum letzten Blutstropfen. Die sittlichen Ziele, die man sich in seiner dreifachen Liebe setzt,' erklärt man als Ziele des Staates, Kulturmission des Volkes. Das nennen wir die Vaterlandsliebe, den Patriotismus. b) Daß zweite ist, daß man die rein Uußerlich gegebene Zusammengehörigkeit nicht mehr als bindend betrachtet. Man sieht in ihr Zufälliges und sucht sie durch in sich Bedingtes (Blutmäßiges) zu ersetzen. Der Staatsbegriff scheidet sich vom Nationbegriff. Abgesehen

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