Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 3-5 (10.11.1918)
- Article
- Der Dualismus in der Judenfrage
- Date
- 1918-11-10
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
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7» er daher die Dinge vornehmlich von ihrer Begriffs seit e erfaßt, daß er mehr für die Relation als für das Wesen der Dinge empfänglich ist usw. Aber all das spricht doch nicht für, sondern gegen irgendwelche mystische Veranlagung der Juden. 2. Wenn Buber es als eine Sinnfälschung nennt8), die Stellung der Ethik im Judentum als1 alles überragend zu bezeichnen, so muß vielmehr dieser Vorwurf ihm, der die Bedeutung der Mystik im Judentum ungebührlich übertreibt, zurückgegeben werden. Das hervorstechendste Kennzeichen im Judentum bildet vielmehr eine minimale Ausbildung von Mythos und Mystik, die mit der außerordentlichen Stärke und Strenge des monotheistischen Gedankens wohl zusammenhängt; und sein zweites Kennzeichen ist die alles überragende Gesetzeskraft^ die „Nomokratie44, die Vorherrschaft der Ethik. Diese Kennzeichen haben ja Rena/n sogar veranlaßt, das „Judentum als ein „Minimum von Religion44 zu charakterisieren, und Kant, den jüdischen Glauben als „Inbegriff bloß statutarischer Gesetze" zu bezeichnen. Willkürlich ist es aber, wie Buber, zwischen „Religion" und „Religiosität" scharf zu unterscheiden ö). Diese Spaltung ist weder im Dogma noch im Glauben enthalten, in dem dio Erfüllung religiöser Vorschriften mit dem religiösen Gefühl in eins zusammenfließen. Buber führt das urchristlichc Essäcrtum, 'die Propheten und den Chassidismus als drei Repräsentanten der Auflehnung der Religiosität gegen die Religion in der jüdischen Geschichte an. Davon ist wohl nur das erste zutreffend. Es genügt dagegen schon ein Blick in die Reden der Propheten, um zu sehen, daß für sie Religion und Religiosität stets gleichbedeutend mit Ethik und ethischer Gesinnung ist Was aber den Chassidismus anbetrifft, in dem die „schrankenlose Gewalt des orientalischen Menschen44 sich offenbarte, so macht sich hier Buber überhaupt "einer gewaltigen Idealisierung schuldig. Insonderheit übersieht er, daß, wie mein Vater auf Grund biographischer wie dogmatischer Quellen des Chassidismus selbst eingehend nachgewiesen hat10), dieser keineswegs eine „Auflehnung44 der „Religiosität gegen die Religion44, sondern die Mystik hier vielfach nur Mittel zum Zweck ist oder, um seinen, die Sachlage illustrierenden Vergleich'auch hier zu gebrauchen, die Mystik der Chassiden sich zur Religion wie Agada zur Halacha verhält.-- In der vorangehenden Betrachtung, die, wie bereits betont, keineswegs nur polemischen Zwecken dienen sollte, treten aber bereits im Geiste des Judentums Potenzen hervor, die seine der europäischen parallele und doch eigenartige Entwicklung bedingen. Der Jude und das Judentum stellen, wie wir gesehen haben, keineswegs den „asiatischen44 oder „orientalischen44 Typus in seiner „reichsten Ausprägung44 dar. Die Wiege des Juden und seiner Kultur steht wohl im Orient_übrigens, 8) 1. c. S. 50. •) L c. S. 50 ff. 10) S. Hurwitz, Chassidismus und Haskalah. Gedanken über alten , und neuen Chassidismus. Zuerst erschienen im Bd. 2 der von ihm herausgegebenen hebräischen Zeitschrift „Heathid". (Berlin, Itzkowski)