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Neue jüdische Monatshefte · 1918-11-10 · Heft 3-5 (10.11.1918) · p. Seite 79

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 3-5 (10.11.1918)
Article
Der Dualismus in der Judenfrage
Date
1918-11-10
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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11 drängen, gelten nicht nur der Polemik mit dieser heute so modernen Theorie, sondern auch der Stellungnahme zu dem eingangs aufgeworfenen Grundproblem selbst. Der große natürliche und nicht wegzuleugnende Vorzug der nationaljüdischen Romantik besteht -darin, daß all die bekannten Zwiespalt© und Zerrissenheiten der jüdischen Seele in der Diaspora nur in der Selbständigkeit einer nationalen Existenz auf eigenem, durch Tradition geheiligtem Boden volle Genesung finden können. Aber mit diesem gesunden und richtigen Gefühl und Gedanken verbindet sich in eigenartiger Weise in der modernen romantischen Theorie eine Reihe irriger Vorstellungen und Einseitigkeiten. 1. Ganz irreführend ist die Kennzeichnung der jüdischen Religion als einer asiatischen durch Buber (wenn auch beiden Religionsarten der metaphysische Begriff des „Weges" gemeinsam ist): denn der jüdischen Religion ist völlig fremd die Weltverneinung, wie sie „die großen asiatischen Religionen" durchzieht und im Nirwana des Buddhismus ihren prägnantesten Ausdruck findet. Das Bild wie, unter dem heiligen Baum, sich der vollendete Buddha faßte: „entronnen dem Rade des Lebens und an seiner eigenen TJnbewegtheit teilnehmend"6), ist etwas der jüdischen Religion absolut Fremdes, Unverständliches. Die jüdische Religion ist durchaus weit- und lebensbejahend6). In diesem Zusammenhang zeigt sich ferner aber* auch die Unhaltbarkeit des von Buber aufgestellten, angeblich den Juden mit allen Orientalen gemeinsamen „motorischen" Menschentypus (wobei wir ganz davon abschen wollen, daß diese Theorie bei Buber einen doppelsinnigen Charakter trägt, indem er sie bald im ursprünglichen psychophysischen, bald aber im metaphysischen Sinne [Tao Weg, Bewegung]. anwendet): denn mit jenem Streben zur Weltverneinung oder zur Ablösung des Ich von der Welt ist in den asiatischen Religionen eine Monotonisierung des äußeren Kultus (Wiederholung immer derselben Worte, derselben Bewegungen usw.) organisch verbunden, die nicht nur für den Okzidentalen, wie W. Haas 7) betont, sondern auch für den Juden den psychiscl en Tod, die Bewußtlosigkeit bedeutet, worin sich doch keineswegs eine Gleichheit seiner psychophysischen Anlage mit der orientalischen dokumentiert. Im übrigen ist das psychophysischo Bild, welches uns Buber vom Juden entwirft, mit bewundernswerter Intuition gesehen und meisterhaft geschildert, so, daß der Raumsiim des Juden mangelhaft entwickelt ist, daß ö; faul Claudel-, Aus der Erkenntnis des Ostens, S. 8. 6) Daß die jüdische Lehre „nicht, wie etwa der Buddhismus, von der Welt wegwollte," bemerkt gelegentlich auch Buber (L c. S. 32), dies führt ihn aber nicht zur Erkenntnis des durchgehenden Unterschieds zwischen dem Judentum und dem Asiatismus. Auch M arg. Sushi a n betont in einer Abhandlung über „Spinoza und das jüdische Weltgefühl" (zit. Sammelschrift S. 63—64) den hier zwischen Juden und Indern bestehenden Unterschied, wirft aber dann Inder und Indogermanea zusammen und konstruiert darauf die unverkennbare Scheidung des „semitischen und indogermanischen Geistes"! r) Die Seele des Orients, Jena, Diederichs, 1916, S. 39/40.

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