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Neue jüdische Monatshefte · 1918-11-10 · Heft 3-5 (10.11.1918) · p. Seite 70

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 3-5 (10.11.1918)
Article
Das tätige Wesen
Date
1918-11-10
Page
Seite 70 (sequence 5)
Language
German
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v* r» ßo „Logo als die göttliche Vernunft, die sich in der Schöpfung offen- 'bärt und' Gottes Sohn ist Hi^öffnet* sich der Weg zum Christentum, das noch in derselben Zeit seelischer Zerrüttungen die Synthese zwischen Westen und Osten vollzieht: indem es die jüdische Ethik in Gestalt des Urchristen- tuxns ins Römerreich trägt So setzt sich in Europa die jüdische Mission fort, deren Sinn allerdings die mittelalterliche Kirche völlig umbiegt. Inzwischen erfuhr die jüdische Religion das Schicksal der Zeit auch innerhalb der eigenen Nation. Mit dem Aufkommen des synagogalen Gottesdienstes scheint Religion zur persönlichen Angelegenheit der Gläubigen zu werden. Das Tempelopfer hingegen war das Bekennen der gesamten Nation zu seinem Bunde mit Gott. Dieser Bund Höste sich auf in die Sonderbünde der Einzelnen, deren Beziehung zu. Gott nun nicht mehr ethische Verpflichtung, sondern Frömmigkeit ist. Trotzdem lebt noch die religiöse Kraft der Propheten. In diesem für die ganze Entwicklung entscheidendem Moment beginnt auch das geographische Eintreten der Juden in Europa: die Diaspora. Die Alten sind die Wollenden, Politischen, von ihrem Bunde Besessenen. Das Ausgewähltsein unter den Völkern gilt ihnen weder als Vorzug des Erkennens noch des Erlebens, sondern als die hohe Pflicht der Verwirklichung. Sie sind die Schöpfer aus Instinkt, die wilden Musikanten der Tat, die Wegebahner des Messias. Ihre Weisheit besitzt die Stärke des Entschlusses und den Vorsatz zur Gerechtigkeit. Die neue individuelle Religiosität ist die M y s t i k. War die alte sittlicher Wille, so ist diese sehr innerliches Erleben. Die erste manifestiert sich im allgemeinen Bunde mit Gott; das Handeln aller ist gleichgerichtet und auf dieselben Zwecke. Das Bündnis der Einzelnen mit Gott aber ist ein psychologischer Akt. Die begriffliche Konkretheit Gottes wie sie aus den Worten der Propheten spricht, wird aufgelöst in Verzücktheit und Stimmungen, in denen sich die Verankerung des Übersinnlichen im Ich vollziehen soll. Das Gebet, bis dahin das heilige Bekenntnis zur Tat und zum Geist, wird jetzt zur Technik religiöser Inbrunst. Die prophetische Religiosität ist sozialer Entschluß, die mystische individuale Schau. ' . Es ist klar, daß diese mystische Religiosität in die ganze Tiefe seelischen Gehaltes leuchtet; sie ist (trotz Weltferne) die stärkste Bejahung des Daseinstriebes, da ja die Identität des seelisch-körperlichen Lebens mit dem allgemeinen Weltsinn angestrebt wird. Sie ist das Erlebnis der eigenen Gefühlstotalität — wie das Gedicht. Daß diese mystische Religiosität eine Bereicherung des jüdischen Seelenlebens ausmacht, sei gern zugegeben. Doch andererseits besteht die Tatsache, daß sie dem allgemeinen Bunde mit Gott ein Ende bereitet, die von dem Propheten begonnene Gemeinschaft zerstört, dio Heiligung zur Tatillusorisch macht. Zwar behauptet Martin Buber: „Die mystische Anlage ist den Juden von Urzeiten her eigen"; trifft das zu, dann trat sie aber völlig zurück hinter die größte jüdische Tat: dem

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