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Neue jüdische Monatshefte · 1918-11-10 · Heft 3-5 (10.11.1918) · p. Seite 67

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 3-5 (10.11.1918)
Article
Das tätige Wesen
Date
1918-11-10
Page
Seite 67 (sequence 2)
Language
German
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65 Gute nichts Außerordentliches sein, dem unser Dasein mit Leidenschaft -folgt, sondern nur Bestandteil der Wahrheit, das letzte Recht des Seienden. Der Orientale lebt nicht dem Seienden, sondern dem Sein-Sollenden. Ihn erregt das sittliche Ziel, zu dem er gelangen muß nicht um der Erkenntnis, sondern um der Verwirklichung willen: der Identität mit seinem bewußten Leben. Er will das Ich emporläutern zur Idee, deren ewiger Sinn , es ist^ die Welt nach sich zu ziehen. Der Gott Israels ist der höchste Ausdruck der ethischen Teleologien des Orients. Reiner Geist, unvergleichlich allem Irdischen, das er beherrscht, .nicht aus der Machtbefugnis letzter Ursache, sondern aus dem reinen Recht des Guten. Doch auch er ist nichts Bleibendes, sondern ein Weg: der seines Volkes. Von der rein animistischen Religionsauffassung, die Jahwe in der Lade gegenwärtig glaubt, geht die Entwicklung zu jenem nationalen Führergott, der in ein besseres Sein sein Volk geleitet, und weiter zu dem ethischen Monotheismus, den die Propheten künden. Sie sind die ekstatischen Sprecher, die „Geistesmänner" (wie sie Hosea nennt), die brennenden Dornbüsche des Herrn. Nicht mühselig Erdachtes verkünden 5>ie, sondern das Erlebnis des Geistes, das sie zu Dichtern, Tänzern und Rasenden macht. Sie haben die Sicherheit der Berufung durch Gott? sie haben „im Rate Jahwes" gestanden. Sie sind die Verkünder der Idealität, gleichzeitig aber Politiker: die Führer aus irdischer Not. Diese Verbindung macht sie bloßer Mantik sehr überlegen; ihre furchtbaren Prophezeiungen in der Zeit erhalten ihren Sinn erst durch die Ewigkeit der religiösen Idee; sie zielen auf ein „Jahwe-Werk", auf edelste menschliche Zukunft. Der Gott, den die Propheten lehren, ist größer, als das menschliche Denken und der Vergleich mit anderen Göttern es erraten lassen. Sein Wille umspannt die Welt und alle Völker. Groß ist seine Macht, doch größer noch seine „Heiligkeit": die sittliche Vollkommenheit und . die Forderungen an die Menschen. Die Erfüllung dieser Forderungen aber kann nicht im sakralen Kultus liegen, sondern nur im tätigen Leben. Mit Verachtung sprechen die großen Propheten vom äußerlichen Kirchen tum: „Frömmigkeit will , ich und nicht Teilopfer, Gotteserkenntnis ist besser als Ganzopfer" (Hosea). Nur das Wissen um Gott und das Bekenntnis durch sittliche Taten sind Gottesdienst, Nicht nur Israel, sondern alle Völker der Erde sollen so sich heiligen. So machen die Propheten Gott zum Weltherrscher und zum Weltsinn, Israel aber bleibt sein Werkzeug. Das bedeutet weniger eine Rangstufe unter den Völkern, als eine Forderung, die sittlichste, die sich eia Volk stellen kann: die Gemeinschaft der Heiligen zu bilden. Der nationale Gott tritt zurück hinter den Aufruf zur irdischen Tat: Gott zu helfen, daß er in der Menschheit sich verwirkliche. So macht man ' Jahwe zum Menschengott, zum guten Geist der Welt. Vom israelitischen Volke wurde er dadurch nicht getrennt, denn in seiner Mitte will er ja zuerst sich verwirklichen; wohl aber vom israelitischen Staat

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