Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1918-11-10 · Heft 3-5 (10.11.1918) · p. Seite 58

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 3-5 (10.11.1918)
Article
Progrome in Polen und Galizien
Date
1918-11-10
Page
Seite 58 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2908689-2908735-2908739-2911416--2098-2911456
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

56. , vombcr nachmittags, zu welcher Stunde das polnische Kommando das Standrecht verkündete. Die Zahl der bei dem Lembergor Pogrom ermordeten Juden beläuft sich auf 1200, die der Obdachlosen auf 10—12 000. -Den Reichsdeutschen ., erging es ebenfalls sehr schlecht. Am 22., früh 7 Uhr, betrat eine* Patrouillo die Wohnung dreier deutscher Tclephonisteiij und fordertosie auf, sofort mitzugehen. Sie wurden an eine gemeinsame Rottegelegt und durch die Straßen Lembergs geführt. In der Karola-Ludwiga wurden sie photographiert. Während ihres ganzen Marsches * zur Hauptwache mußten sie die Mütze hoch in der Hand halten " und allerlei Beschimpfungen seitens der Bevölkerung, die sielynchen wollte, ertragen. Auf der Hauptwache wurden sie entkleidet, beraubt, und beschimpft. Man zeigte ihnen den Galgen, an dem sio gehängt werden sollten. Für die guten Kleider erhielten sie Fetzen, dann ließ man sie eine halbe Stunde im Schneevor der Hauptwacho auf dem Bauch liegen. Als Dank für die „Behandlung" mußte joder Deutsche dem Räuber einen Kuß geben. Wieviele Deutsche sich durch die Flucht retten konnten, ist mir unbekannt. Sicher ist es, daß der deutsche Generalkonsul Heinz intcr- . niert ist. Ein Berliner aus der Lothringer Straße namens D. Köder , wurde erschossen. . . . Für die Juden und die Deutschen Polens und Galizicris gibt esnur eine Rettung: Flucht aus der polnischen Hölle." . („Berliner Tageblatt".) . E. Nacht. Chrzanow. Der Progrom fing hier schon am 14. November an. Die jüdische Miliz wurde von den polnischen Legionen mit Gewalt entwaffnet. Die am Ringplatz versammelten Banden stürzten sich auf die jüdischen Geschäfte; alles wurde ausgeraubt und ausgeplündert. Nach vollständiger Ausräumung der Geschäfte ging es über die jüdischen Wohnungen her, von denen die meisten ebenfalls ausgeraubt wurden. Die Plünderer waren zumeist bewaffnet. Bei den Schießereien, die sie veranstalteten, wurden 7 Personen getötet, zahlreiche Juden wurden schwer oder minder schwer verwundet. Die geraubten Sachen wurden von Frauen und Mädchen, Angehörigen der Plünderer,'auf Wagen fortgeschafft. Die jüdische Bevölkerung von Chrzanow ist fast ausnahmslos gellüchtet. Die christliche Intelligenz verhielt sich den Exzessen gegenüber neutral. Dor Schaden wird auf mehrere Millionen geschätzt. In Trzebinia, Dobra bei Limanowa, K o 1 b u s z o w a , II o z w a - dow, Majda-Kolb, Pogorzyco, Aiwernia, Skawina und Umgebung, sowie in der Umgebung von Zaborow, Dembica, Wieliczka, Brzosko, Brzorow, Gorek und anderen Orten ereigneten sich am 2. und 3. November antisemitische Ausschreitungen. Krzeszowice. Am 4. November veranstaltete eino Hörde Bauern und Frauen einen räuberischen Überfall während des Jahrmarktes auf die jüdischen Stände. Die Bande plünderte die jüdischen Stünde vollkommen aus und stürzte sich nachher auf die jüdischen Läden, die gewaltsam erbrochen, wurden. -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.