Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 3-5 (10.11.1918)
- Article
- Progrome in Polen und Galizien
- Date
- 1918-11-10
- Page
- Seite 59 (sequence 7)
- Language
- German
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57 Niepolomice. Horden, bestehend aus 40—50 Personen, raubten und vernichteten jüdisches Eigentum. Wer Widerstand leistete, wurde mit Kolben niedergeschlagen. Czomichow (bei Krakau). Hier fanden Plünderungen statt; der Sdhaden beträgt einige 10 000 Kronen. Die Gendarmerie verhielt sich passiv. Zator. Sämtliche jüdische Familien, 80 an der Zahl, sind bis zum letzten beraubt worden. Die Bauernhorden, bewaffnet mit Gewehr und Revolver, drangen nicht nur in die Geschäfte, sondern auch in die Wohnungen der Juden ein. Gdow. Bauern und Soldaten haben die jüdischen Geschäfte ausgeplündert und das ganze Inventar vernichtet. B r z o z o w a. Der Pogrom dauerte vom 1. bis zum 3. November. Es wurden über 100 jüdische Familien beraubt und zugrunde gerichtet. Die jüdische Miliz wurde entwaffnet. Es gab viele Verwundete. Der Schaden beträgt 15 Millionen Kronen. B r z o z o w. Hier wurden viele Familien bis auf das letzte ausgeraubt. 0 s w i e c i m. Am 5. November ist eine Räuberhorde, nachdem sie das jüdische Gut in der Umgebung geplündert hatte, in die Stadt eingedrungen. Der entschlossenen Haltung der jüdischen Selbstwehr und jüdischer Soldaten ist es zu verdanken, daß die bestialische Horde sich zerstreute. Blazowa. Hier fanden am 31. Oktober Judenausschreitungen statt. Es sind viele jüdische Läden geplündert worden. Die Überfälle wiederholten sich täglich. T a r n o w. Am 5. November, 1 Uhr mittags, einige Stunden, nachdem die jüdischen Soldaten dem neuen polnischen Staat ihren Eid geleistet hatten, überfielen polnische Hooligane die jüdischen Viertel und raubten sie aus. An dem Pogrom beteiligten sich zumeist Bauern und Soldaten, aber auch gewisse Teile der städtischen Bevölkerung. In dieser Panik trat die jüdische Selbsfcwehr, verstärkt durch jüdische Bürger, sehr mutig auf und dank ihrer kraftvollen Abwehr gelang es, die Ausbreitung der räuberischen Überfälle auf andere Stadtteile zu verhindern. Warschau. Am 11. November fingen in Warschau Judenpogrome an. Die Juden wurden aus den Trambahnen gezerrt und aufs schwerste mißhandelt. Es kam zu blutigen Ausschreitungen. In der ganzen Stadt herrscht Panik unter der jüdischen Bevölkerung. Siedlec. Hier fand ein Judenpogrom statt. Es wurdon 6 Juden getötet und eine große Anzahl verletzt. Lubomi 1. Hier fand ein fürchterlicher Pogrom statt. Tschechisches Militär im Verein mit den Polen richtete in der Stadt ein schreckliches Blutbad unter den Juden an. 75 Juden wurden verwundet, viele davon liegen im Sterben. Umgebung von Blazowa. In den Dörfern Wesola, Berek und Bialka wurden einzelne Juden beraubt und geschlagen. D o b r o. Sämtliche jüdische Familien, 40 an der Zahl, wurden beraubt. Die jüdische Bevölkerung flüchtete, von einer Panik beherrscht, in die Keller und auf die Böden. Die Miliz beteiligte sich an dem Raub. Grodzdsko. Bauern, mit Revolvern und Gewehren bewaffnet, stürzten sich auf die jüdischen Geschäfte und Wohnungen, raubend und plündernd. Sie haben kein einziges Haus verschont, und alles, was sie nicht mitnehmen konnten, in bestialischer Weise vernichtet. ■ Die Legionäre verhielten sich entweder passiv oder traten gegen die Juden auf. Iwonitz. Die Bauern aus der Umgebung, bewaffnet mit Gewehren, Revolvern, Messern, Stöcken und Beilen, 150 Mann stark, drangen am 2. No-