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Neue jüdische Monatshefte · 1918-11-10 · Heft 3-5 (10.11.1918) · p. Seite 57

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 3-5 (10.11.1918)
Article
Progrome in Polen und Galizien
Date
1918-11-10
Page
Seite 57 (sequence 5)
Language
German
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55 werden müssen, sollten Überreste bleiben, dann würden die Juden, sie erhalten. Am 15. veröffentlichte »Pobudka* in fettgedruckten Lettern: Derjenige, der einen reichsdeutschen Offizier, der »ich unter den Reihen der Ukrainer befindet, gefangen nimmt, erhält 100 Kronen. Unter dem 17. erschien In der „Pobudka" ein Aufsatz, betitelt „Neutrale*, worin eine Frau, die sich als ,Augenzeugin4 ausgab, mitteilte, daß Juden aus den Fenstern die Legionäre mit heißem Wasser begossen und sie vom Tempel aus mit Maschinengewehren beschossen hätten. Daraufhin begab sich eine jüdische Abordnung, bestellend aus den Herren Professor Dr. Schow, Advokaten Dr. Allerhand und. Dozenten Dr. Freilich zu dem polnischen Abgeordneten Chlamtatsch. Ihre Versicherung, daß die verbreiteten ruchlosen Gerüchte über die Juden erlogen seien, blieb unbeachtet. Während in dem polnischen Teile Lembergs die Hetze gegen die Juden von Stunde zu Stunde zunahm, wurde im ukrainischen Stadtteil eine jüdische Miliz gebildet, die die Aufgabe hatte, das jüdische Viertel gegen Bandenübcrfällc zu schützen. Diese Miliz hatte fast täglich größere Kämpfe mit Banden zu bestehen, so am 10. November, wo sie ungefähr 50 Banditen niederschossen. Auch die jüdische Miliz verlor einige ihrer Kämpfer, darunter den Milizleutnant Staub. Als die Ukrainer weichen mußten, sandten die Juden, die die alte Pogromlust der Polen kannten, ein Radiotelegramm ,an alle* und baten um Schutz. Es kam keine Hilfe. Arn 22. November begannen dann die polnischen Legionäre mit den Plünderungen jüdischer und deutscher Geschäfte in der Karola-Ludwiga, der Hauptstraße Lembergs. Von dort zogen die Polen in das jüdische Viertel. Die Krakauer, Przemyslcr und Lemberger Offiziere und Mannschaften der polnischen Legion hielten das Judenviertel umzingelt. Nachdem sie sämtliche Juden, und Deutsche, die sie unterwegs trafen, beraubt und die sich Wehrenden rücksichtslos niedergeschossen hatten, eröffneten sie ein Masch menge wehrfeuer gegen» das J u d e n v i er t c 1. Die Herausstürzenden wurden mit Handgranaten und Gewchrkugeln empfangen, so daß keine Seele entrinnen konnte. Es half kein Bitten und kein Klagen. Die Krakauer, Ccbulnastraße bestehen jetzt aus Ruinen; das ganze jüdische Viertel mit den Bethilusern, worin -sich viele Familien versteckt hielten, wurden eingeäschert. Wer nur den Mut hatte, sich hinauszubegeben, um Erbarmen bei den Legionären zu bitten, wurde niedergemetzelt. Das Straßenpflaster war mit verkohlten und verstümmelten Leichen bedeckt. Im Kino am polnischen Theater wurden die verstümmelten und verkohlten Leichen aufgestapelt. Dieses Morden wehrloser Menschen (die jüdische Miliz wurde sofort interniert, ihr Schicksal ist unbekannt) dauerte vom 22. November früh bis zum 24. No-

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