Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1918-11-10 · Heft 3-5 (10.11.1918) · p. Seite 56

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 3-5 (10.11.1918)
Article
Progrome in Polen und Galizien
Date
1918-11-10
Page
Seite 56 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2908689-2908735-2908739-2911416--2096-2911454
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

spazieren ging, um sich die Opfer des Massenmordes anzusehen, so pilgerten die Damen und Herren der polnischen Gesellschaft Lembergs nach dem Pogrom in das Judenviertel, um sich die* Wirkungen des zweitägigen Mordens und Brennens anzusehen und das Schauspiel zu genießen. An dem Morgen des 24 November wurde von dem polnischen Kommando in- Lemberg das Standrecht verkündet. Vor der Welt sollte der Eindruck erweckt werden, als ob der Pogrom lediglich von Banditen durchgeführt worden wäre, für den die polnischen Legionäre nicht verantwortlich gemacht werden könnten- Es muß deshalb nachdrücklichst darauf hingewiesen werden, daß die Plünderungen und die Mordtaten ausschließlich von Angehörigen der polnischen Legion unter Leitung ihrer Offiziere ausgeführt wurden, daß das polnische Kommando von den Greueln, die sich im Judenviertel abspielten, selbstverständlich gnz genaue •Kenntnis gehabt hat und nicht einschreiten wollte. Hätte man diesen Massenmord verhindern wollen, dann hätte es genügt, wenn wenigstens am zweiten Tage nach der Eroberung der Stadt das Standrecht verkündet worden wäre. Das ist mit Absicht unterlassen worden, denn es war den Legionären, schon vorher angekündigt worden, daß ihnen nach der Eroberung Lembergs eine 48 stündige Plünderung im Judenviertel der Stadt erlaubt werden würde. Nach der Verkündung des Standrechts sind 3 Räuber standrechtlich erschossen worden. Aber es ist charakteristisch, daß diese drei Füsilierten ein polnisches Geschäft geplündert hatten und unter diesen dreien sich einer befand, der wegen Raubmordes bereits in psychopathischer Untersuchung gestanden hat und für geisteskrank erklärt worden war. Den Offizieren und Angehörigen der polnischen Legion, die sich an den Plünderungen und dem Morden beteiligt haben, ist selbstverständlich nicht das Leiseste geschehen." (B. Z. am Mittag) Max Reiner [ a s c hi n e n g c w c h r f e u e r der polnischen Legionäre gegen das Lembe'rger Juden viertel. Als die Polen in den Kämpfen mit den Ukrainern die eine Hälfte von Lemberg besetzt hielten, hetzten sie die polnische Bevölkerung durch Artikel in ihrer neugeborenen polnischen Zeitung ^Pobudka1 (Der Wachruf) gegen die jüdische Bevölkerung auf. Die ,Deutsche Lemberger Zeitung' war konfisziert worden, weil sie erstens von Juden verwaltet, in deutscher Sprache erschien und jüdische, deutsche, und ukrainische Interessen vertrat. An ihre Stelle trat die ,Pobudka4 mit dem geraubten Material der deutschen Zeitung. Am 11. erschien der Befehl, daß sämtliche Hauseigentümer ein Verzeichnis aller männlichen Bewohner nach Name, Religion usw. anzufertigen haben. Diese Verzeichnisse hatten den Zweck, die Wohnungen der Juden und Deutschen für eventuelle Plünderungen usw. festzustellen. Beim Verteilen der. Lebensmittel wurde, den Juden gesagt, daß an erster Stelle die. Polen versorgt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.