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Neue jüdische Monatshefte · 1918-11-10 · Heft 3-5 (10.11.1918) · p. Seite 55

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 3-5 (10.11.1918)
Article
Progrome in Polen und Galizien
Date
1918-11-10
Page
Seite 55 (sequence 3)
Language
German
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53 Flammen gesetzt. Das ganze Judenviertel wurde ein einziges gewaltiges Flammenmeer. . Aus den brennenden Häusern stürzten jammernd und um Gnade flehend Männer, Frauen und Kinder auf die Straßen und versuchten, sich dem drohenden Feuertode durch die Flucht zu entziehen. Sie wurden von den Legionäreon durch Kolbenhiebe, Bajonettstiche und durch Gewehrschüsse entweder getötet oder in die brennenden Häuser zurückgejagt. Nur in einzelnen Fällen ließen sie sich durch besonders hohe Angebote von Geld und Wertsachen dazu bewegen, einem solch gemarterten Menschenkinde das Entkommen aus dem brennenden Viertel zu gestatten. Ich will auch hier von mehreren Fällen, die mir namentlich bekannt sind, nur einen einzigen anführen: Ein Mädchen namens Schnarch war ebenfalls in einem brennenden Hause eingeschlossen, Sie bat die polnischen Legionäre inständigst, sie doch entlaufen zu lassen. Der Kommandant der Legionäre erklärte sich nach anfänglicher Weigerung dazu bereit, wenn sie ihm mindestens 8000 Kronen in hixr und ihren ganzen Schmuck ausfolgen würde. In ihrer Todesangst lief das Mädchen in die Wohnung zurück, brachte ihr gesamtes Geld und alle ihre Wertsachen hinunter, folgte dies dem Legionär aus, der nun den Auftrag gab, Fräulein Schnarch durch die Straßen entlaufen zu lassen. In den allermeisten Fällen aber waren die Bewohner des Viertels bereits vollständig ausgeplündert, und sie hatten nicht mehr, womit sie von den Mordbrennern ihr Leben erkaufen konnten. Sie kamen in den brennenden Häusern urns Leben. Am Nachmittage des 28. November lag der größte Teil des .Judenvierteis bereits in Trümmern. Die Straßen waren angesammelt von rauchenden Balken, brennenden Einrichtungsgegcnständen und verkohlten Leichen, die 'nun gesammelt und in großen Sälen, darunter auch in einein Kino, in der Nähe des Stadttheaters untergebracht wurden. Der Zutritt zu diesen Leichensammelstellen wurde verwehrt, so daß man nicht genau die Zahl der Opfer kennt, die ums Leben gekommen sind. Aber von polnischer amtlicher Seite wird angegebeii, daß bei den Kämpfen um Lemberg 1600 Menschen ums Leben gekommen sind. Nun geben die offiziellen Mitteilungen über die Verluste der polnischen Legionäre die Zahl der Toten mit 200 Mann an. Nimmt man an, daß die Ukrainer ebensoviel Toto veiloren haben, und daß während der dreiwöchigen Kämpfe von der Zivilbevölkerung etwa 100 Menschen getötet worden sind, dann bleiben etwa 1100 übrig, die bei den Judenpogromen ums Leben gebracht worden sind. Die polnische Bevölkerung Lembergs hat den Pogrom mit unverhohlener Befriedigung aufgenommen und begrüßt. Man hat von keinem Polen in Lemberg auch nur das leiseste Wort der Mißbilligung übei diesen unerhörten, selbst bei den Pogromen in Rußland noch nicht dagewesenen Bestialitäten gehört. Wie am Tage nach der Bartholomausnacht der französische Hof durch die Straßen

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