Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 3-5 (10.11.1918)
- Article
- Progrome in Polen und Galizien
- Date
- 1918-11-10
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
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rangen und der Pogrom von dem polnischen Kommando nicht nur gutgeheißen, 'sondern sogar organisiert worden ist, denn es wurdo öffentlich die Parole befolgt, daß kein ukrainisches Geschäft geplündert, kein Ukrainer mißhandelt werden dürfe. Das hat soinen guten Grund. Die ukrainische Regierung hatte nämlich den Polen mitteilen lassen, daß sie, wenn in Lemberg einem Ukrainer auch nur ein Haar gekrümmt werden sollte, unter den polnischen Gutsbesitzern in Ost-Galizien ein Blutbad anrichten würde. Diese Drohung hatte, gewirkt. Um so bestialischer benahmen sich die Legionäro gegen die wehrlose und waffenlose jüdische Bevölkerung. Die vorher errichtete jüdische Miliz war nicht mehr vorhanden, weil sie sofort nach ihrem Einzüge von den Polen entwaffnet und zum Teil erschlagen worden war. Es waren aber nicht, wie von .polnischer Seite jetzt behauptet wird, lediglich aüs Legionäre verkleidete Banditen, die plünderten und mordeten. Polnische Patrouillen und Offiziere der polnischen Legion drangen in Privatwohnungen ein und raubten unter Todesdrohungen Geld und Wertsachen. Die Ausschreitungen wurden immer wilder. Die Plünderer hatten Weinkeller erbrochen, sich betrunken und wurden in diesem Zustando immer blutdürstiger. Am 23. November begann man mit den massenhaften Morden im Judenviertel. Zunächst vergnügten sich polnische Legionäre damit, in den Straßen des Judenviertels einzelne durch die Straßen gehende Juden niederzuschlagen] Später begannen s\e damit, die Juden zusammenzutreiben und in den Häusern familienweise abzusehlachten. Um nur einzelne Namen zu nennen: Ein angesehener Kaufmann namens Sußmann wurde mit seinem Sohn ermordet, seine Tochter schwer verwundet: . dasselbe Schicksal teilte auch eine Familie namens Frucht, deren sämtliche Mitglieder von polnischen Legionären ausgeraubt und dann erschlagen wurden. Einige hundert Juden stürzten in ihrer Todesangst in die Synagogen und verbarrikadierten sich dort in der Hoffnung, daß .die Mordbrenner vor dem Heiligtum des Gotteshauses Respekt haben würden. Die polnischen Legionäre erfuhren davon, umzingelten das alte Gebetshaus und legten Feuer an* Während das Bethaus brannte, versuchten zahlreiche Juden aus den Fenstern des Gotteshauses zu springen, um sich so zu retten. Aber, wer sich nur aus dem Fenster schwingen wollte, wurde von den unten wartenden Legionären niedergeschossen. Das Bothaus brannte vollständig nieder, und in ihm verkohlten mehr als hundert Juden, von denen wich einige in ihrer wahnsinnigen Todesangst zum Teil in die Thorarollen gewickelt hatten und so verkohlten. Dieses Vorgehen wurde von den Polen dann im großen wiederholt. Das ganze Judenviertel wurde von den polnischen Legionären umzingelt, sämtliche Straßen noch besonders einzeln abgesperrt und systematisch Haus für Haus entweder durch Brandlegung in den Kellern oder durch Brandbomben und Handgranaten in