Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 2 (25.10.1918)
- Article
- Zionistischer Jugendtag
- Date
- 1918-10-25
- Page
- Seite 45 (sequence 2)
- Language
- German
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Bubers Vortragam Mittwoch im kleineren Saale wiederholt werden, mußte, so ist'das ein Beweis der hohen Wertschätzung, deren sich Buber auch bei denen erfreut, die ihn nicht verstehen, und die sich wohl hüten, einzugestehen, daß sie aus Mangel an Verständnis unbefriedigt nach Hause gehen. Merkwürdig ist nur, daß nicht Bildung und Wissenschaft, nicht weite Gedanken und tiefgründiges Eindringen in die Weltproblemo notwendig sind, um dieses Verständnis zu haben, daß vielmehr selbst unklare Köpfe ihm zu folgen vermögen, wenn sie nur auf ihn „eingestellt" sind. Fehlt diese religiöse, diese der Mystik geneigte „Einstellung", so nützt kein Wissen und kein Verständnis, um in diese Gefühlsweit einzudringen. Wenn wir hier den bestimmten Eindruck haben, als ob der Wiener Jugendtag ganz unter Bubers Einfluß stand, und als ob er dort eine unübersehbare Gefolgschaft gefunden habe, so hat der Berliner Jugendtag bewiesen, daß er den Kontakt mit der zionistischen Jugend Deutschlands keineswegs in gleicher Weise gefunden hat. Viel tiefer wirkten die Worte Calvarys, vor allem aber Aron Barths. " Als Dr. Barth in schlichten und klaren, von Herzen kommenden Worten das Wesen seiner durchaus jüdischen Weltanschauung darlegte, da verstand der ganze Jugendtag, daß hier ein Ganzes sei, und daß dieses Ganze eben als jüdische Lebensauffassung gewertet werden müsse. Man empfand und verstand die Notwendigkeit einer jüdischen Lebensführung, die auf jüdischer Welt- und Lebensauffassung beruhen müsse. Barth ging dabei von der Voraussetzung strenger Gläubigkeit aus. Wünschenswert wäre es gewesen, wenn sich Gelegenheit geboten hätte, die gleiche Lebens auf fasung auch von einem nur-natio aalen. Standpunkte aus zu begründen und klarzulegen. Aber die Rednerliste war ohnehin lang, und die Leitung wünschte ausdrücklich nur ganz junge Leute zu hören. Barths Worte waren zugleich der richtige Ausgleich zu der programmatischen Rede, welche Walter Mos-es als Hauptvertreter des Blau-Weiß gehalten hatte. Viele waren durch diese enttäuscht worden, weil sie heraushören zu müssen glaubten, daß Moses die jüdische Lebens-Auffassung und -Führung verwürfe. Das ist nicht der Fall, und er hat sich in der Debatte bemüht, diesem Mißverständnisse die Spitze abzubrechen. Mit welchem Erfolge, bleibt dahingestellt. Einstweilen verspürt man das dringende Bedürfnis nach jüdischen Inhalten, kann es aber aus Mangel an jüdischem Wissen noch, nicht befriedigen, und greift deshalb teils zur Mystik, teils findet man die Trauben zu sauer, weil sie gar. zu hoch hängen. Das wird ganz von selbst anders werden. Hat nun der zionistische JugendUig einen, greifbaren Erfolggehabt? Die Vorbereitungen waren nicht besonders geschickt gewesen. Die Leitung ließ viel zu wünschen übrig. Ein dreistündiges Referat, das Martin Buber außer seinem einleitenden Vortrage auf der Tagung hielt, ging über die Köpfe d<jr Hörer hinweg. Die Debatte verlor sich oft. Und gewiß hat mancher andere noch anderes auszusetzen. Die greifbaren Beschlüsse waren durchaus nicht so wesenhaft aus der Tagung herausgewachsen, daß sie als sichtbare Zeichen des. Erfolges