Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 2 (25.10.1918)
- Article
- Zionistischer Jugendtag
- Date
- 1918-10-25
- Page
- Seite 44 (sequence 1)
- Language
- German
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'. Zionistischer Jfugendfag Von Prof. Dr. H e i nr i c h L o e w e., Berlin. er engere Ausschuß der national jüdischen und zionistischen Jugendvereine hatte für die zweite Oktoberwoche einen Jugendtag nach Berlin einberufen, der in dem ähnlich gerichteten nationaljüdischen Jugondtage Österreichs, rund ein Vierteljahr früher, einen Vorläufer hatte. Man muß von vornherein bei einem solchen Jugendtago zwischen den Führern und den Geführten unterscheiden. Die Führer sind noch nicht die eigentliche Jugend. Ganz abgesehen davon, daß auch hinter ihnen noch die Leitung einer großen Parteiorganisation steht, die klug genug Ist, sich nicht direkt in die Dinge zu mischen, klafft an manchen Stellen scheinbar eine breite Kluft zwischen der Leitung der Jugendverbände und ihren Mitgliedern. Nur scheinbar. Die jungen Leute von 17 bis'20 Jahren, die weitaus den größten Teil der Jugendorganisation bilden, stehen mit wenigen Ausnahmen der Leitung der Dinge fern. Und das ist gut so. Denn dazu wären sie keineswegs imstande. Es wäre sogar manchesmal wünschens-. wert, wenn sie und die jüngeren Führer etwas weniger an den Beratungen teilnehmen würden,' weil dadurch manches Unausgereifte vermieden würde. Aber das sind Wünsche, die nur an der Außenfläche haften und auch gar nicht den Anspruch erheben wollen, in die Tiefe zu gehen. Jedenfalls ist das Erziehungsproblcm, das hier zum Ausdrucke ringt, nicht so einfach, daß dabei die ganze ältere Generation ausgeschieden werden müßte, wie das bei manchen, die glauben, eine ganze neue und wertvolle Meinung zu haben, feststeht Der Jugendtag dauerte, abgesehen von den ihm vorangehenden Besprechungen und den ihm noch folgenden Beratungen rund drei Tage. Er wurde durch eine, auf Veranlassung des „Jüdischen Volksheims" einberufene, gleichwohl aber offizielle Versammlung eingeleitet, in der Martin Bub er über „Das Judentum und die wahre Gemeinschaft" sprach. Auch darin besteht eine Anlehnung an den Wiener Jugend tag. Dort hatte Martin Buber diese Rede bereits gehalten und sie dann nach einiger Zeit in München wiederholt. Er gab gewissermaßen der Tagung die religiöse Weihe. Man geht nicht zu Martin Bubcr wie zu einem Volksredner. Man will auch von ihm keine philosophische oder andere wissenschaftliche Belehrung. Man will ihn in religiöser Sitmmung hören und wenn man ihn nicht in dieser Absicht hören will, so empündet man .sehr bald, daß man an der ganz falschen . " Stelle ist. So ging es dem weitaus größten Teile des ihm aufmerksam lauschenden Publikums. Es fand nicht die Verbindung mit dem Rednör. Dieser Teil der Zuhörer beachtete mehr, daß in Bubers Reden die Person Jesu und das paulinische Christentum eine nach ihrer Meinung über Gebühr starke Rolle spiele. Sie kämpften mit der schweren Spracho B\ibers, die nun einmal zu der ganzen religiösen Stellung, die', er in der Welt einnimmt, zugehört. Wenn schon tagelang vor dem Jugendtage keine Einlaßkarte für jemanden zu erhalten war, der nicht zu dca Veranstaltern besonders .gute. Beziehungen hat, wenn Martin