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Neue jüdische Monatshefte · 1918-10-25 · Heft 2 (25.10.1918) · p. Seite 37

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 2 (25.10.1918)
Article
Geschichtsirrtümer
Date
1918-10-25
Page
Seite 37 (sequence 7)
Language
German
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--._('.....■ Gegensätze, demgemäß also zu verwerfen. Dabei begh^ ..... ,^er den Irrtum, den rein religiösen Missionsgedanken, von dessen Vorhandensein das alte Schrifttum ebenso zeugt wie die mittelalterlichen Religionsphilosophen, politisch aufzufassen. Statt durch Lehre und Beispiel den Gedanken der Einheit Gottes zu verbreiten, sollte es angebliche Aufgabe der Mission sein, für die Ausbreitung der jüdischen Religion, vielleicht auch der jüdischen Macht zu sorgen, und daß diesem selbst konstruierten Gedanken eine Bekämpfung gelten durfte, war' klar. Und wie man gegen eine Mission zu Felde zog, die man zum Zwecke der Befehdung erst geschaffen hatte, so war es mit dem Messianismus ähnlich. Das historische Judentum träumt von der Rückkehr nach Palästina, von dem Aufbau des Tempels und der Aufrichtung des jüdischen Reiches durch den Sproß aus dem Hause Davids als Krönung der menschlichen, sittlichen Arbeit, aüs äußeres Zeichen dafür, daß eine Zeit menschlicher Vervollkommnung und ewigen Friedens angebrochen sei. Das Nationaljudentum will umgekehrt unbekümmert um den Zustand der Menschheit mit Mitteln der Politik ein Reich errichten. Meint es nun, daß unter den vielen erhofften Vorzügen dieses Reich auch dem sittlichen Fortschritt der Menschheit dienen werde, so mag man vor solchem Optimismus Achtung haben. Was dieser Messianismus aber mit dem jüdischen Bogriff zu tun haben soll, ist nicht ersichtlich. Und daß er den wirklichen messianischen Beruf des Judentums empfindlich stört, braucht kaum bewiesen zu werden. Politik und Religion sind und bleiben Gegensätze, denn jene wurzelt in der Zeit, diese in der Ewigkeit. Politik verdirbt nun einmal den Charakter. Und wenn nach jüdischer Auffassung Aufgaben religiöser Natur uns üeschäftigen sollen, so ist es selbstverständlich eine Schwächung des messianischen Berufs, wenn jüdische Kraft systematisch und als Selbstzweck vergänglicher Politik nutzbar gemacht wird. Der Zionismus will sich zuweilen auf die Hälfte einigen und behauptet, daß mit dem Wirken für den Messianismus durch das Diaspora^ Judentum sich sehr wohl ein jüdisches Staatsleben, ein nationaler Messianismus vertrage. Er weist darauf hin, daß zur Zeit Philos ein solches Nebeneinander von geistigem Judentum und jüdischem Staat bestanden hatte. Der Irrtum liegt iin Vergleich der damaligen Zeit mit der heutigen. Der jüdische Staat störte den messianischen Beruf (nur darum nicht, weil er ein absterbendes Wesen war, Eierschalen, die das flügge Huhn noch auf sich umhertrug. Innerlich -war vornehmlich durch das prophetische Wirken der messianische, rein religiöse Charakter des Judentums längst entschieden, und schon dio Tatsache, daß es eine so kräftige Diaspora gab — eine im Zeitalter . der Staatsreligionen sonst unbekannte Erscheinung — beweist, daß die jüdische Staatsidee längst vor der Zerstörung des Tempels innerlich erledigt war. Es wäre auch die .so sichere sofortige Einstellung auf die neuen Verhältnisse ganz unerklärlich gewesen. Dem ägyptischen Judentum war es nicht vergönnt, Träger der Entwicklung zu sein; aber jene Teile, die das Judentum erhielten, mögen sich wohl in der

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