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Neue jüdische Monatshefte · 1918-10-25 · Heft 2 (25.10.1918) · p. Seite 35

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 2 (25.10.1918)
Article
Geschichtsirrtümer
Date
1918-10-25
Page
Seite 35 (sequence 5)
Language
German
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35 Hebräische als Volkssprache ist das jüdische Volk, als es wirklich noch bestand, einfach. hinweggegangen, und . nicht einmal in dieser Frage.karm die moderne jüdische Kultur, so paradox es auch klingt, an die echte jüdische Kultur anknüpfen. Evg verbunden mit den Gebieten von Nation und Kultur ist ein Schlagwort, das des Juden Verhältnis zum Niederlavssungsiande seinem geistigen Sein charakterisieren soll» Es ist zum halben Dogma geworden, dem Juden einen „Z w i 11 e r z u s t a n d", eine seelische Halbheit anzudichten, in die so mancher freilich sich dem* Parteibegehren zuliebe erst künstlich hineinreden muß, da er sie von selber nicht empfindet. Im Grunde liegt aber auch hier nur ein großer Irrtum vor. Es kann natürlich nicht bestritten werden, daß solche Halbheit, mit ihren traurigen Konsequenzen, mit dem Hange zu unfruchtbarer Kritik, mit Skeptizismus und Selbstverspottung, mit dem Mangel an Ehrfurcht vor dem Gewordenen, nur allzuoft vorhanden ist. Aber ihr eigentlicher Grund ist das „Fehlen des religiösen Halts! De* Juden Heimatboden ist eben die Thora, und wer die Heimat verloren hat, ist unstät und flüchtig, ist seelisch haltlos und schwach. Gewiß bedeutet es einen Grund für diesen Zustand, wenn man durch den Haß der Welt sich an eine Gemeinschaft gekettet sieht, zu der man innerlich in keinem Verhältnis mehr steht. Man darf aber nicht sein Judentum dafür verantwortlich machen, sondern sich selber. Ein religiöser Jud\% sei er orthodox oder liberal, der dazu schlicht deutsch-national denkt und handelt, empfindet diesen Zwiespalt nie, auch dann nicht, wenn der Antisemitismus ihm das Recht auf sein Vaterland bestreitet. Und wenn der Zionist den Zwitter verstand wirklich fühlt, so beweist*.das nur. daß ihm das Verhältnis zur Religion und damit wirklich seelischer Hast fehlt. Es ist recht charakteristisch, daß die Leute mit zerrissenen Judenseelen nicht etwa bei den strenggläubigen Misrachisten zu Hause sind. Man findet sie in der areligiösen oder pseudoreligiösen, mystischen Welt des modernen Kulturzionismus, wo von ihrer Halbheit — die ihnen gern geglaubt sei — schmerzlich entzückte Jünglinge ihre interessanten Seelen zu geistreichen Essays parzellieren, wo man sich danach sehnt, „in Ganzheit4' zu leben und auch von anderen Phrasen einen* überreichlichen Gebrauch macht. Man darf sich nicht darüber täuschen, daß diese peinliche Sektion der eigenen oft perversen Gefühle ein Krankheitsprodukt ist, und daß ihre Ursache in dem Bestreben liegt, künstlich ein. Judentum zu erhalten, das bei dem Mangel an religiösen Werten gar keines ist. Jedenfalls ist es ein großer Irrtum, zu glauben, daß dieser Zwitterverstand mit nationaler Unsicherheit oder nationaler Sehnsucht etwas zu tun hat. Sofern er nicht überhaupt Einbildung ist, ein interessantes Kokettieren, der jüdisch gefärbte allbekannte jugendliche Weltschmerz, geht er — bei Zionisten ebenso wie bei Assimiianten — einfach auf den Mangel an religiösem Halt zurück. Gegen diese Zerrissenheit ist auch Palästina •kein Heilmittel. Palästina kann nicht Ersatz für die Thora sein. Heute liebkost man diese seelischen Nöte, stellen sie doch ein ausgezeichnetes Agitationsmittel für die Konzentrierung auf dem Boden

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