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Neue jüdische Monatshefte · 1918-10-25 · Heft 2 (25.10.1918) · p. Seite 34

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 2 (25.10.1918)
Article
Geschichtsirrtümer
Date
1918-10-25
Page
Seite 34 (sequence 4)
Language
German
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34 wirklich jüdischen Staatswiileti das Rückgrat gebrochen.* Wohl wäre es möglich, einen Staat aus Menschen jüdischer Abstammung zu gründen, j üdis ch wäre er aber nichts und bei den religionsfeindlichen Tendenzen der Zeit, die sich innerhalb des intellektuellen Judentums potenzieren, würde ein fiolches Gemeinwesen, das zum großen Teile aus areligiösen Elementen und Sektierern, nur\zum kleinen Teile aber aus wirklichen Juden zu bestehen brauchte, vom historischen Standpunkte seltsam anmuten. Daß es geschaffen werden könnte, sei nicht bestritten, daß es aber jüdisch wäre oder gar schöpferische Bedeutung für die Religion haben könnte, ist ausgeschlossen, und Behauptungen dieser Art sind einfach ein Ausfluß einer Gedankenlosigkeit, die sich in romantischen historischen Reminiszenzen ergeht und nicht begreift, daß Religionsstaaten und Staatsreligionen glücklicherweise in die Rumpelkammer der Reaktion geworfen worden sind. Eng mit diesem Irrtum über das Wesen des Staates hängt auch die Frage der „jüdischen Kultur" zusammen. Wieder ist der Name irreführend. Daß eine Vereinigung von Juden eigentümliche ••Kulturwerte zu schaffen vermag, sei gern zugegeben. Nur sind sie darum nicht jüdisch! Von der alten jüdischen Kultur hat sich nur die eine Seite erhalten, die religiöse! Und was von anderen Gebieten sich bis auf unsere Tage gerettet hat,'konnte nur dadurch dem Untergang entgehen, daß es sich unter den Fittichen des Glaubens barg und sich eine religiöse Umdeutung gefallen ließ. Was Judenmassen sonst in ihrem Zusammenleben ausgebildet haben, läßt sich restlos auf seine außerjüdischen Ursprünge zurückführen. Man braucht ja nur die Sitten und Gebräuche verschiedener Centren und Zeiten zu vergleichen, um ihre völlige kulturelle Unabhängigkeit voneinander zu begreifen. Persische, italienische und polnische Juden haben gewiß keine Berührungspunkte außer der Religion und dem, was mit ihr eng ' zusammenhängt. Außerhalb dieses engen Rahmens gibt es keine Jüdische Kultur, und was 'jetzt neu in Palästina insbesondere geschaffen wird, mag recht erheblich sein, es aber „jüdisch" in dem Sinne zu nennen, daß damit eine Brücke zwischen ihm und dem Gute einer früheren Zeilgeschlagen wird, ist ein verhängnisvoller und verwirrender Irrtum. Einer kleinen historischen Verwechslung, die sich auf die sprachliche Seite des Kulturlebens bezieht, sei gleichfalls hier gedacht, obwohl sie von nebensächlicher, fast scherzhafter Bedeutung ist. In einer zionistischen Versammlung hörte ich einmal emphatisch* erklären: ,,Die Sprache unserer Helden* die Sprache Jude Makkabis und Bar Kochbas muß auch die unsere werden44. Und der Redner war sehr erstaunt, als man seine gehobene Stimmung durch die nüchterne Bemerkung störte, daß seine Idealbilder nicht hebräisch, sondern aramäisch sprachen. Gerade zur Zeit der nationallen Selbständigkeit, gerade während der Herrschaft der hasmonäischen Könige ist die Landessprache aramäisch, und zur Zeit Bar Kochbas — wahrscheinlich auch schon vorher — verstand das Volk so wenig hebräisch, daß beim /Gottesdienst, selbst die Thora übersetzt werden mußte. Über das

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