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Neue jüdische Monatshefte · 1918-10-25 · Heft 2 (25.10.1918) · p. Seite 28

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 2 (25.10.1918)
Article
Unsere Ostprovinzen und die Juden
Date
1918-10-25
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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1882—1907 um mehr als die "Hälfte-der Erwerbstätigen vermindert bat. Noch auffälliger ist der Rückgang des Deutschtums im Handel, und zwar wiederum lediglich infolge der jüdischen Abwanderung. Während die Deutschen im Jahre 1882 noch 72,4 Prozent 12 941 aller im Handel Erwerbstätigen ausmachten, stellen sie davon im Jahre 1907 nur noch 50,8 Prozent 15153 Personen. Jn der gleichen Zeit ist der polnische' Anteil yon 27,6 auf 49,2 Prozent gestiegen. Und in Wirklichkeit hat das Deutschtum einen noch viel größeren Schaden durch die jüdische Abwanderung erlitten, als sich aus den Zahlen ergibt. Denn, wenn die Zahl der jüdischen Erwerbstätigen in dieser Zeit nicht nur nicht gestiegen, sondern auf 2335 zurückgegangen ist, so muß dabei berücksichtigt werden, daß es sich in der Hauptsache um selbst ä iVd i g Erwerbstätige handelt — seit 1895 ist die Zahl der unselbständig erwerbstätigen Juden nur um 110 Personen gesunken2). Eine Unmenge gesunder wirtschaftlicher Positionen ist also in dieser Zeit dem Deutschtum verloren gegangen. Auch hier rächt sich nun wieder eine alte Schuld des Deutschtums an sich selbst. Statt die Juden in den Ostprovinzen mit aller Kraft zu fördern und so dem Deutschtum ein wirksames Rückgrat zu schaffen und zu erhalten, hat man in völliger Verblendung durch gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Antisemitismus die jüdische Abwanderung gefördert. Von mancher Seite wird das natürlich bestritten, aber wir können uns wieder auf einen so objektiven Beurteiler wie Mitscherlich berufen, der sagt: „In der Ostmark herrscht eine starko antisemitische Stimmung, die bei den Deutschen nur in etwas verhüllterer Form auftritt, als bei den Polen." Die alldeutsche Torheit hat> statt daß man auf Einigung und Förderung aller -sich deutsch fühlenden Elemente hinwirkte, chauvinistischen und „völkischen" Ideen zuliebe den jüdischen Mittelstand, der ohnehin durch die Polen infolge seiner politischen Stellungnahme schwer zu leiden hatte, aus dem Lande getrieben, und so hat sich das Deutschtum drüben einer Wurzel seiner Kraft selbst beraubt. Die geschichtliche Entwicklung straft eben unerbittlich die politische Kurzsichtigkeit und die kulturelle Engherzigkeit! Aber die Zeit ist nicht zu Vorwürfen geeignet, wenn man auch gezwungen ist, auf diese. bittere Tatsache mit Nachdruck hinzuweisen. Iin Augenblick handelt es sich darum, von Deutschland, von Preußen und dem Judentum eine Gefahr abzuwenden, die gar nicht schlimm genug gedacht werden kann. Und darum wird es Sache der deutschen Juden sein, mit Nachdruck ihren Willen zum Verbleiben im preußischen Staatenverband zu betonen, Aufgabe aber ihrer Vertretungen, in der Öffentlichkeit und von ihren Volksgenossen im neutralen und feindlichen Ausland zu fordern, daß man sich den polnischen Ansprüchen widersetzt, weil das Judentum der Ostgebiete deutsch ist und mit seinen ganzen Interessen zu Deutschland gehört, und weil das Polentum sich durch sein Verhalten gegenüber den Juden so völlig um allen politischen n*n$il\o Sogall: Die S02ialen Verhältnisse der Juden in Deutschland.

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