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Neue jüdische Monatshefte · 1918-10-25 · Heft 2 (25.10.1918) · p. Seite 29

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 2 (25.10.1918)
Article
Unsere Ostprovinzen und die Juden
Date
1918-10-25
Page
Seite 29 (sequence 5)
Language
German
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IQ Kredit, so gänzlich um alles Vertrauen gebracht hat. Wird die Frage der Abtretung von Teilen unserer Ostgebiete auf der Friedenskonferenz verhandelt, so muß darauf hingewiesen werden, daß hier eine deutsche, aber auch eine jüdische Angelegenheit von höchster Wichtigkeit zur Entscheidung steht. Wie die Polen Majoritäten schaffen! Von S. C. fSW^fn Wilna hat es Unruhen gegeben. Kein Zweifel, daß sie von j^jigk den Polen ausgingen und welches Ziel sie hatten, E^tel nämlich das einer Erschütterung der Okkupationsmacht. Glauben doch die polnischen Elemente in Litauen, daß im Augenblick des Abzugs unserer Truppen die Zeit gekomro.cn sei, um auch diese Landesteile an das großpolnische Reich anzugliedern, von dem sie träumen. Und da sie von dem Gedanken durchdrungen sind, daß überall da, wo Polen in größerer Menge zusammensitzen, polnische Erde sei, nehmen sie als ganz selbstverständlich an, daß auch die Minoritäten — manchmal sind es auch die Majoritäten — dieser Gebiete sich ihren Wünschen fügen werden. Vor allem haben sie sich daran gewöhnt, die Wünsche der jüdischen Bevölkerung mit einem Achselzucken abzutun. Sie erklären zwar in Kongreßpolen und Galizien, daß das Land bereits viel zu viel Juden habe und daß man auf eine Abwanderung mindestens eines Teils der jüdischen Elemente dringen müsse. Aber wenn es sich um den Gev/i:?!- von Gebieten handelt, deren Bevölkerung zweifelhaft ist, so reklamieren sie auf Grund ihrer unverjährbaren „historischen Rechte" ohne weiteres den jüdischen Bevölkerungsteil für sich als polnisch. Dieses von ihrem Standpunkt aus zweckmäßige, wenn auch moralisch nicht ganz unanfechtbare Verfahren wenden sie vor allem auf die litauischen Gebiete von Bialystok, Grodno und Wilna an, deren Erwerb ihnen zu Zwecken der Innenkolonisation, wegen der dünnen Besiedelung des Landes besonders wertvoll erscheint. Zwar ist die Landbevölkerung dieser GebietG keineswegs polnischer, sondern litwinischer Abkunft, aber an vielen Orten spricht sie heute polnisch. Immerhin kann der Anspruch auf das ganze Gebiet nur mit der polnischen Majorität der Städte begründet werden. Bei der außerordentlich geringen kulturellen Höhe der Landbevölkerung ist das Gewicht der Städte größer als in Ländern des Westens. Die Städte sind fürdas Land wertvoller als Zentren der Intelligenz, des Handels und des Gewerbes, und von ihnen geht ein ungleich stärkerer kultureller Einfluß aus, als anderwärts. Infolgedessen setzen die Polen alles daran, die Städte zu polonisieren, und da sie — begünstigt durch das alte russische Gesetz — die Magistrate beherrschen,'wird in Wort und Schrift das Polnische. propagiert. Die vielen Beamten, Lieferanten, Vermittler usw., die mit der munizipalen Wirtschaft in Berührung kommen, sind naturgemäß fast durchweg Polen, da die Magistrate nur ihre Stammesgenossen berück-

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