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Neue jüdische Monatshefte · 1918-10-25 · Heft 2 (25.10.1918) · p. Seite 27

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 2 (25.10.1918)
Article
Unsere Ostprovinzen und die Juden
Date
1918-10-25
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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der Polen in Preußen" *): „Will man die Berufsstatistik .verwenden, so muß man sich des Aushilfsmittels bedienen, katholisch-polnisch, evangelisch und israelitisch-deutsch zu setzen." Weiter sagt er: „Der Jude ist ohne Zweifel in ganz erdrückender Majorität wirtschaftlich und national den Deutschen zuzurechnen." Die Juden im preußischen Osten verwahren sich mit der größten Energie dagegen, unter polnische Herrschaft und so in Verhältnisse zu geraten, in denen sie politisch und kulturell entrechtet, wirtschaftlich wahrscheinlich zugrunde gerichtet werden würden. Denn daß die Polen in Posen alles daransetzen würden, die Juden entweder völlig und mit jedem Mittel zu polonisieren, oder aber wirtschaftlich und gesellschaftlich zu boykottieren und zum Abzug ins Innere Deutschlands zu zwingen, darüber kann sich wohl niemand einer Täuschung hingeben. Ist doch seit Jahrzehnten das deutsche Übergewicht, vor allem in den Städten, lediglich durch die politische Stellungnahme der Juden für das Deutschtum aufrechterhalten worden. Und selbst wenn das deutsche Judentum seine Kultur seiner materiellen Fortexistenz aufopfern wollte, so schrecken doch die täglich sich mehrenden Beispiele eines kopflosen und übrigens sich selbst schädigenden polnischen Chauvinismus gegenüber der eingeborenen polnisch-jüdischen Bevölkerung in Kongreßpolen und Galizien. Staatsangehörigen eines westlichen Landes, die bisher wohl keineswegs in idealen Verhältnissen, aber doch immerhin in Ruhe und Sicherheit lebten und in einem Ordnungsstaat ihrem Ervverb nachgehen konnten, muß ja der Gedanke unerträglich scheinen, in einen Staatsverband einzutreten, dessen „demokratische" Bevölkerung soeben wieder in Warschau die „historische Toleranz*' der Polen durch die Inszenierung von Pogromen beweist. In der Provinz Posen lebten 1910 26 512 Juden, in Schlesien betrug ihre Zahl 44 985 und in Westpreußen 13 954. In Schlesien widmeten sich 43,39 Prozent der Juden Handel und Verkehr und 20,79 Prozent Industrie und Gewerbe. Noch größer war der Prozentsatz der in dieser Weise tätigen Juden 1907 in der Provinz Posen. Er betrug dort 54,03 und 19,22 Prozent, während er bei der Gesamtbevölkerung nur 13,4 Prozent betrug. Ihr absoluter Anteil an diesen Berufen, die ja hauptsächlich den Charakter der Städte beeinflussen, ist also sehr groß, und mit ihm steht und fällt der deutsche Einfluß, insbesondere in der Provinz Posen. Wie sehr dies der Fall ist, zeigt der Rückgang der Deutschen in Handel, Industrie und Gewerbe seit dem Jahre 1882. Mit diesem Zeitpunkt ungefähr beginnt eine starke- Abwanderung von Juden nach dem Westen, und zu gleicher Zeit fällt die prozentuale Anteilnahme des Deutschtums in erheblichster Weise. Der Anteil der Deutschen an Gewerbe und Industrie betrug im Jahre 1895 41,7 Prozent, im Jahre 1907 nur noch 37,4 Prozent, und Mitschcr- Kch konstatiert ganz ausdrücklich, daß dieser Rückgang lediglich mit der Abwanderung der Juden zu begründen ist, deren Zahl sich von x) W. Mitscherl ich: Die Ausbreitung der Polen in PreußeD, S.S. Leipzig 1913, Hirschfeld.

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