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Neue jüdische Monatshefte · 1918-10-10 · Heft 1 (10.10.1918) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 1 (10.10.1918)
Article
Ein Wort an die Polen
Date
1918-10-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Wollen die Polen selbst mit Toleranz behandelt sein, und wollen sie ihre politischen Ziele erreichen, so müssen sie der Welt auch den Nachweis dafür erbringen, daß sie .gewillt sind, in ihrem eigenen Lande europäische Prinzipien anzuwenden und den Wilsonschen Leitsätzen nicht eine willkürliche Auslegung zu geben, die sie in ihr direktes Gegenteil verkehrt Es gehört leider zu den täglichen Erfahrungen, die man bei den Verhandlungen mit den Polen erwirbt, daß sie in höchst verbindlicher und vorbildlich entgegenkommender Form ihre völlige Übereinstimmung mit den vorgetragenen Ideen bekunden, um sogleich das strikte Gegenteil davon in der Praxis zu tun. Aber das täuscht jetzt niemand mehr. Die Friedenskonferenz steht vor der Tür, und wenn die Polen wünschen, daß nun in der Öffentlichkeit gekämpft wird, so können sie das haben. Ob sie dabei sehr gut abschneiden werden, wird sich zeigen. Wir wünschen diesen Kampf nicht, sondern eine Versöhnung im Interesse beider Volks teile, der Polen wie der Juden. Aber Recht muß Recht bleiben, und den Millionen Juden Polens wird ihr Recht genau so werden, wie die Polen es für sich selbst wünschen. Lieber ohne Kampf! Aber., wenn der Kampf sein muß, wird es an der notwendigen Energie nicht fehlen. 3n diesem Sinne stimmen wir durchaus in die Worte des polnischen Aufrufs ein: „Freie mit den Freien, Gleiche mit den Gleichen." * ' ., * Der in dem vorstehenden Artikel erwähnte Beschluß der jüdischen Gemeindeverwaltung Warschaus lautet: „Es wird beschlossen, in Anbetracht der veränderten politischen Lage die Wahlen bis zu einem von der polnischen Regierung zu bestimmenden Termin zu verschieben/' Die Anregimg zu dieser Verschiebung der Wahlen ging vom polnischen Kultusministerium aus. Der Beschluß der Gemeindeverwaltung hat unter der jüdischen Bevölkerung eine starke Unzufriedenheit hervorgerufen. Fast alle Wahlkomrtees und Parteien beabsichtigen, Protestresolutionen zu veröffentlichen. Die bereits von den deutschen Behörden genehmigten Wahlversammlungen wurden dazu benutzt, gegen die Verschiebung der Wahlen zu protestieren. Vor dem Beginn der Sitzung der Gemeindeverwaltung wurde ihr Vorsitzender, Nathan söhn, von einer Abordnung der Zi'onisten gewarnt. Herr Nathansohn teilte dabei den Standpunkt der polnischen Regierungskreise mit, der darin gipfelt, daß es nicht im Interesse der Juden als Bürger Polens liegen dürfte, in einer Zeit, in der Polen auf neuen demokratischen Grundlagen aufgebaut werden solle, Wahlen abzuhalten auf Grund von Statuten, die nicht durch polnische Faktoren ausgearbeitet seien. Zu der Verschiebung der Wahlen schreibt der „Moment": „Wir sind der Ansicht, daß die Schaffimg einer jüdischen Ge- « meindeverwaltung selbst in dem Rahmen der letzten Wahlordnung eine der wichtigsten Aufgaben des polnischen Judentums im jetzigen

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