Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 1 (10.10.1918)
- Article
- Ein Wort an die Polen
- Date
- 1918-10-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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großen historischen Augenblick darstellt. Wir erklären daher, da£ die Störung: der Verwirklichung dieser Aufgabe im höchsten Maß'? schädlich und volksfeindlich ist. . . . Wir erheben darum s c r ä r f - sten Protest gegen die Gewalttat, die gegen die elementarst*: Kochte der jüdischen Volksmassen begangen worden ist.u Unter der. Überschrift „Polen und Juden" finden wir in der Abendausgabe des „Berliner Tageblatts" vom 15. d. M. folgende Mitteilung: „Die deutsche Verwaltung hat bekanntlich im Generalgouvernement Warschau eine moderne Organisation der jüdischen Religio::sgesellschaft eingeführt. Die Wahlen zu den Gemeinden waren schon, im ganzen Lande durchgeführt bis auf Warschau und Lodz. Nun hat der Vorstand der jüdischen Gemeinde Warschau, der auf Grund eines mittelalterlichen plutokratischen Wahlrechts gewählt und des***?» Amtszeit längst abgelaufen ist, auf Veranlassung des polnischen Kultusministeriums die Neuwahlen, die jetzt stattfinden sollten, aufgehoben. Darüber herrscht in der jüdischen Bevölkerung lebhafte Erregung; sie glaubt aus dieser Maßnahme schließen zu müssen, daß der polnische Staat nicht einmal eine moderne Organisation d«»r Jaden als Religionsgesellschaft, ohne die die Verwilderung des («emeindelebens nie beseitigt werden kann, zulassen will. Die Verordnung entsprach nicht den zionistischen und nationalistisch Forderungen; sie war aber doch ein erheblicher Fortschritt gegönnter dem früheren Zustand. Offenbar wollen aber die polnischen Instanzen, geleitet von törichtem Antisemitismus, der die Bedürfnis'1 des eigenen Staates verkennt und das Urteil der Welt mißachtet. <■ >r irregeführt von Ratschlägen der jüdischen Assimilanten, überhaupt keinen Fortschritt auf diesem Gebiet. Das Vorgehen in dieser Sache zeigt deutlich, daß die polnische Judenfrage auf der Friedenskonferenz besprochen und geregelt v/erden muß." Wir freuen uns, feststellen zu können, daß das „Berliner Tageblatt1' zum ersten Male im Kriege in einer so treffenden und sachlich durchaus richtigen Darstellung für die Interessen der polnischen Juden eingetreten isf. Briefe eines deutschen Juden im Auslande Voll * ::: * II.*) eshalb ist Deutschland mit seiner Judenpolitik ebenso wie fe^^^^f mit der betreffs der anderen kleinen Nationen und Staa'.en ©fSvö gegenüber England so völlig ins Hintertreffen geraten? Die Politik eines Staateskann nur dann erfolgreich sein, wenn sie unabhängig von Tagesstimmungen, frei von „Scntiments und Volle*- *) Siehe „Neue Jüdische Monatshefte" Nr. 24 vom 25. September 1918.