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Neue jüdische Monatshefte · 1918-10-10 · Heft 1 (10.10.1918) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 1 (10.10.1918)
Article
Ein Wort an die Polen
Date
1918-10-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Polen ins Leben.getreten ist, hat es von ailedem, was in den polnischen Aufrufen in so schönen Sätzen ausgeführt wird, nichts, aber auch gar nichts erfüllt. Vom ersten Tage seines Bestehens an haben die Polen alles darangesetzt, ihre eigenen Worts von der Freiheit und Gleichheit sind Toleranz hinfällig zu machen und der staunenden Welt zu beweisen, «wie man eigene Leiden und eigene Sorgen vergessen kann, sobald man selbst zu Einfluß gelangt und in der Lage ist, sie anderen zu bereiten. Wir wcülen heute nicht darauf zurückkommen, was alles in den letzten zwei Jahren von polnischer Seite an dem in Polen lebenden Judentum gesündigt worden ist. Verspricht man doch hier in diesem. Augenblick öffentlich, „ein auf richtiger und unbeugsamer Verfechter der Toleranz nach innen zu sein" und wir möchten gern glauben, daß die Polen sich eines besseren besonnen haben. Aber die- Tatsachen sprechen wiederum nicht für die Worte. Denn im selben Augenblick, in dem das polnische Manifest in die Welt hinausgeht^ hat die Jüdische Gemeinde zu Warschau im Einvernehmen mit der polnischen Regierung und auf deren Veranlassung beschlossen, die ohnehin lange genug hinausgezögerten Wahlen für die Gesamt Organisation der polnischen Juden zu verschieben, d. h. ad calendas graecas zu vertagen. Diese Maßnahme, welche die Assimilanten bei den Polen oder die Polen bei den Assimilanten durchgesetzt haben, ist so charakteristisch, daß die Öffentlichkeit dazu nicht schweigen darf. Denn das Statut, um das es sich hier handelt, ist auf die Wünsche der Polen hin bereits in solcher Weise modifiziert worden, gibt dem Staat so viele Rechte, läßt den Juden so wenig Selbständigkeit, kommt ihren nationalen und kulturellen Wünschen so wenig entgegen, daß es bei den polnischen Juden selbst sich nur sehr geringer Sympathien erfreut. Entgegen allen demokratischen Grundsätzen, auf welche die Polen ja so besonderes Gewicht zu legen erklären, sollen die Juden nach Kurien wählen, und zwar besteht die erste Kurie zu mehr als der Hälfte aus Rabbinern oder dem, was man mit der Hilfe von schleunigst angefertigten Rabbinatspatenten als Rabbiner bezeichnet Diese Kurie ist ausdrücklich zu dem Zweck errichtet worden, um den völlig polonisierten Juden und der ganz von den Polen abhängigen, von dem durch seine polentreue, gehorsame Politik bekannten Herrn Dr. Pinchas Cohn geführten Orthodoxie eine besonders starke Vertretung zu sichern, und diese Maßnahme hat seinerzeit viel Widerstand erregt. Trotz alledem waren alle jüdischen Parteien entschlossen, nach dem Statut zu wählen, weil das podniscke Judentum zurzeit überhaupt ohne irgendeine Vertretung ist. Die Gemeiden werden auf Grund einer Wahlordnung, die 90 % der Wähler entrechtet, von einer kleinen polonisierten Clique geleitet, und die neue Haassche Wahlordnung versprach immerhin, wenigstens eine Anzahl von Vertretern des Volkes in die Gemeindestuben zu entsenden. So wäre es möglich gewesen, einen „Obersten Rat11 als Gesamtvertretung der polnischen Juden zu schaffen, der sich nach dem Statut aus den Vertretern aileif jüdischen Gemeinden zusammengestellt hätte. Er hätte zwar nur einen sehr unvollkommenen Ausdruck der Volksmeinun» dar«

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