Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 24 (25.9.1918)
- Article
- Zur Geschichte der Wilnaer jüdischen Gemeinde
- Date
- 1918-09-25
- Page
- Seite 563 (sequence 5)
- Language
- German
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liehe Etat für den standesgemäßen Unterhalt des in Petersburg sich niederzulassenden dreigliedrigen Ausschusses aufgestellt; es wurde beschlossen, diesen Betrag, der auf 3660 Golddukaten jährlich festgesetzt wurde, durch die Veräußerung der silbernen „Atarot", der wohlhabenden Genieindebürgern gehörende „Tallcssim" und „Kitteln", gedeckt werden sollte. Dieser Petersburger Aussehuss wurde im Laufe der Zeit in eine „Rabbiner-Kommission" umgewandelt, die noch bis in die letzte Zeit in Rußland bestand. D. Thora und Weltbildung Über Deutschland und Polen verbreitete sich das Thorastudium in Litauen, wo Wilna zu ihrem hervorragendsten und bedeutendsten Mittelpunkt wurde. Auf ihrer Wanderung trafen berühmte Talmudgelehrte in Litauens Metropole ein, wo sie sich niederließen und mit der Unterstützung des Kahals Jeschiwoth gründeten. In allen Ländern erstrahlte der Ruhm dieser Wilnaer Jeschiwoth, aus denen die bedeutendsten Rabbiner hervorgingen, und aus den fernsten Gebieten strömten diesen thorabeflissene Jünger zu. Bereits im 14. Jahrhundert bestand in Wilna eine große Jeschiwa und seit jener Zeit erfuhr die Thorabltite hi dieser Stadt keine Unterbrechung. Je schwerer und drückender die äußeren Lebensverhältnisse der Juden Wilnas sich gestalteten, um so eifriger war man um die Verbreitung des Thorastudiums bestrebt, jenes Studiums, in dem man in den schwersten Momenten Tröstung suchte und fand. Die „Thoraliebe" 'erfuhr in Wilna ihr höchste Steigerung. Keinen anderen Ehrgeiz kannte der Wilnaer Jude als den, seine Söhne zu „Lomdim" heranzubilden und seine Töchter „Talmide-Cbachaminr'* zu Frauen zu geben. In der noch jungen Wilnaer Kchilla trat zu gleicher Zeit eine stattliche Reihe berühmter Talmudgelehrten hervor., deren Namen in der Geschichte fortleben. Als sie darauf das Galut- Schicksal zum Wanderstab greifen ließ, wurden die aus Wilna ausgewanderten Gelehrten zu den Lehrern des gesamten Diashorajudentums. - Wir werden uns hier nicht bei einzelnen Namen aufhalten. Es genügt der Hinweis, daß Wilna in der kurzen Periode zwischen 1620 bis 1G4S über 40 berühmte Namen und mehr als 30 in ihren Mauern entstandene Werke aufweist, die von grundlegender Bedeutung geworden sind. Der erste uns aus Wilna bekannt gewordene Rabbiner ist R. Monusch (Manus) C h a j e s (gest. 163G). Auf ihn folgen Rabbi Mosche Lima (Verfasser des „Chelkat-Mechokek" benannten Kommentars zum Ibn-Esra) R. Efraim Cohen (Verfasser von „Schaar Efraim"), R. Aron Schemuei Kaidanower (Verfasser von „Bircbatha-Zewach"), R. Hilel („Bet-Hilel" zum lore-Dea), R. Mosche Riwkes („Beer-Hagola") und R. Schabeti Cohen, berühmt unter dem Namen „Schach" (nach den Anfangsbuchstaben seines Werkes „Sifte-Cohen"). Dieser R. Schabeti Cohen war der Verfasser noch vieler anderer zu großer Berühmtheit gelangter Werke. Er war ein Meister der hebräischen Diktion und schrieb auch Gedichte in dieser Sprache. Längere Zeit hindurch pflog er auf Hebräisch eine Korrespon-