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Neue jüdische Monatshefte · 1918-09-25 · Heft 24 (25.9.1918) · p. Seite 562

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 24 (25.9.1918)
Article
Zur Geschichte der Wilnaer jüdischen Gemeinde
Date
1918-09-25
Page
Seite 562 (sequence 4)
Language
German
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o^Viänton R. Jehuda, gen. Jessod. .Bäbbi Schmuel konnte dem durch ßM Kshal, namentlich bei der Steuerumlage, fortwährend begangenen UärecM nicht mehr untätig zusehen und entschloß sich, Maßnahmen ge£cn den eigenmächtigen Gabaim zu ergreifen. Es -entfesselte sich cia Regelrechter „Krieg" zwischen Rabbiner und Gabaim, aus welchem AnlaS sich in der Stadt zwei feindliche Parteien bildeten: eine Rabbiner- und eine Kabalspartei. Auf beiden Seiten wurde erbittert gekämpft; man stellte sich in den „Klausen", in Lehrhäusern und auch auf ollener Straße, man zankte und verprügelte sich gegenseitig. Die städtischen Rädelsführer, die den Kern des Streits verschleiern wollten, erhoben gegen den Rabbiner die unbegründete Klage, er vernachlässige 'das Thorastudium gar sehr; er wäre eben kein „Matmid"! Als Beweis wurde angeführt, daß man nach der Mitternachtsstunde kein;: Licht mehr in seinem Hause sehe. Der „Hebbezin" (Rabbinerfrau) machte man wiederum den Vorwurf, sie bringe den „Gabbetesu (Frauen der Gabaim) nicht die gebührende Achtung entgegen. Es kam so weit, da3 man zu. Denunziationen griff. Schließlich kam es zu einer Intervention de3 Wilnaer-Bischofs Massalski und des „Wojewoden" Fürst Sadziwill. Der erste ergriff die Partei des Rabbiners, während letzterer für den Kahal eintrat. Eira gelehrter Anhänger des Rabbiners, Babbi Schimon b. R. Wolf, der auf falsche Beschuldigung hin auf Befehl dos Fürsten RadziwiU gefesselt in die Festung Nieswies eingeliefert winde, verfaßte in seiner Gefangenschaft in polnischer Sprache eine Ssariä, in der er die Schattenseiten der Kahalswirtschaft und das verderbliche Wirken der Gabaim schilderte. Auf diese Schrift wurde die Aufm-ksamkeit des Königs Stanislaus August gelenkt, der, nach eingebenden Ermittlungen über das Verhalten des Kahals gegenüber dor ^Mischen Bevölkerung, am 30. Juli 1785 einen Befehl erließ, demzufolge „die Gabaim des Wilnaer Kahals weder selbst, noch vermittels anderer Personen sich erkühnen sollten, Ungerechtigkeiten und Gewalttaten gegen die Bevölkerung zu verüben, unter irgendwelchen Vorv;wilden mannigfache Gebühren einzuziehen, Leute zu verfolgen, zu verhaften, zu schlagen und einzusperren; jede Zuwiderhandlung seitens der Kahalsleute solle gemäß der Reichsgesetze eine strenge Bestrafung nach sich ziehen". Von da ab hörte die Existenz der autonomen ICr.hc.l3 in Wilna und im gesamten Litauen auf. Gleichzeitig wurde in Wilna der Posten eines Rabbiners aufgehoben. SO Jahre1 später,* als Litauen bereits unter russische*' Herrschaft et: nd, schien es, als sollte der alte Kahal in neuer Form wiedererstehen. C ^:_;;0 dem Erlaß des Zaren Alexander I. bildete sich in Wilna eine r,L.;j Tortretem aus dein gesamten jüdischen Siedlungsgebiet bestehende llo^^sion, die mit der Behandlung der wichtigsten materiellen und geistigen Fragen des inherjüdischen Lebens betraut wurde. Dieser ---~--<^sion lag auch die Wahl einer dreigliedrigen Abordnung ob, eis legitime Repräsentanz der jüdischen Bevölkerung ständigen wch^lts in Petersburg nehmen sollte. Die erste Konferenz der jtidi- —" Soprllfcontänten fand im Jahre 1818 (am Montag erew roschc.:,cu^eh EM 5578) in WilßA statt. Auf dieser Konferenz wurde der jähr-

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