Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 24 (25.9.1918)
- Article
- Briefe eines deutschen Juden im Auslande
- Date
- 1918-09-25
- Page
- Seite 554 (sequence 4)
- Language
- German
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rücken jsüßton, die aber ihrer feelbst spotten, indem ©ie ihr „A1T- P&xt5ähtum vor allem in der Exklusivität der RasBe zu beweisen trachten. Herr Class verspricht die Stellungnahme des Alldeutschen Vorlandes, zu den Juden „festzulegen44, d. h. natürlich, sie für den etwaigen ungünstigen Ausgang* des Krieges nach altem bewährten System verantwortlich zu machen. Der General v. Gebsatte! führt schon lEngst einen Heimkrieg mit den Juden und schickt ganze Tanks voller Giftkugeln, gegen ihre bürgerlichen Stellungen. Das alles wird gelesen und von den Agenten der Entente freudig verbreitet. Noch immer gibt es keinen aktiven jüdischen Offizier in einem Heer, dessen jüdische Angehörige seit mehr als 4 Jahren Blut, und Gesundheit in vorbildlicher Weise für die Allgemeinheit hergeben. Man kann nach Rußland in allen möglichen Sprachen korrespondieren, nur nicht in der jüdischen. Sollen wir die Reihe der Tatsachen fortsetzen? Dem deutschen Juden, der an seinem Lande hängt und seine Kultur liebt, dem deutschen Juden, der seit Beginn des großen Ringens und unter dem Eindruck der alle einigenden Gefahr sieh mit .doppelter'Hingebung an das Land seiner Geburt anschloß, blutet das Herz, wenn er die Ergebnisse dieser Jahre betrachtet. Das Halbbürgertum der deutschen Juden ist noch immer nicht beseitigt und bezüglich der Aussichten für die Zukunft sind wir weniger optimistisch als Herr Professor Oppenheimer in seiner oben erwähnten Arbeit, Wie sagt doch der Kaiser? Es hätto manches „anders gemacht werden können und daß darüber MißßtSaixmmg herrscht, ist kein Wunder". So erklärt sich die höchst unerfreuliche Stimmung des Judentums im Auslande. Man ist geärgert durch Worte und Taten und das ist nicht nur überaus betrübend, sondern auch für die Allgemeinheit und die Interessen des Reiches schädlich. Vor demKriegc waren die Juden die eifrigsten Verfechter des Deutschtums im Auslände, Deutsch war ihre Kultur, auch die der Juden in Amerika, Polen, den neutralen Staaten, So sehr identifizierten sie sich mit dem Deutschtum, daß man in amerikanischen Witzblättern den Deutschen „Mr. Eosenfeld" zu nennen p&egte. Bekannt ist das Wort des polnischen Juden, der sich den Schiller „vertatscht", d. h. in seinen deutschjüdischen Jargon übersetzt. Noch während des Krieges stand die jüdische Press© Amerikas jahrelang auf deutscher Seite und in der zionistischen Bewegung war der Einfluß der Deutschen maßgebend. Bas Deutschtum hat außerordentliche Vorteile aus diesen Verhältnissen gesogen. Heute — das darf nicht verheimlicht werden! — wenden sich such dio Juden der neutralen Länder England und Amerika zu. Ihr Seid und ihr Presseeinftuß werden bereits vielfach für die Entente einpcjs&fc. Wer die Schweis, Holland und die nordischen Länder im ^~e~e gesehen hat, ^weiß, daß die Hinneigung zur englischen Politik allgemein ist» Gewiß, auch dort weiß man, daß die S-fe^eundiiche Politik der Entente nicht nur wegen der etilen Augen der Juden gemacht wird. Gewiß suchen isz^^m und England bei ihrer Stellungnahme den eigenen Vorteil,