Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 24 (25.9.1918)
- Article
- Briefe eines deutschen Juden im Auslande
- Date
- 1918-09-25
- Page
- Seite 552 (sequence 2)
- Language
- German
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JM> ■ ' '___.-:- gänglich macht, — Erkenntnissen, die hier außerhalb des Reiches und Sa-objektiver Umgebung leichter gewonnen werden konnten, als daheim. Vielleicht können aus ihnen Maßnahmen hervorgehen, die zur Wiedergewinnung der heute so gut wie verlorenen Sympatien des ausländischen Judentums und anderer Kreise führen. Denn, daß die Stimmung außerhalb der Reichsgrenzen eine wenig erfreuliche für den Juden ist, der am Schicksal der Mittelmächte innerlichen Anteil nimmt, kann leider nicht bestritten werden und muß ja wohl auch den zuständigen deutschen Behörden bekannt sein. Im Auslande führt man auf die beginnende Einsicht die zahlreichen Äußerungen deutscher Staatsmänner zurück, die während des letzten Jahres über die Lage, insbesondere des Ostjudentums, erfolgten. Es muß leider festgestellt werden, daß ihre Wirkung im großen ganzen gering war. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Das Judentum der ganzen Welt hat sich in diesem Kriege als politischen Faktor fühlen gelernt. Die Zeiten sind vorüber, wo der Durchschnittsjude vor Glück taumelte, wenn ein Minister herablassend wohlwollende Worte über die jüdische Gemeinschaft sprach. Dann sind die Veröffentlichungen oft in der Form nicht allzu glücklich und inhaltlich allzu wenig präzise. Was den ersten Punkt anlangt, so haben sie bezüglich des Judentums mit den allgemeinen deutschen Kundgebungen gemein, daß sie die psychische Verfassung dessen verkennen, an den sich die Kundgebung richtet. Den Gründen dieser bedauerlichen Erscheinung kann hier nicht näher nachgegangen werden; aber auch in d<ir Politik gilt der Satz, daß der Ton die Musik macht. In den deutschen Kundgebungen herrschen leider meist die Dur-Tonarten vor und sie enthalten auch zu viel halbe Töne. Man sagt das notwendigste. Schlicht knapp, wie eine Behörde zum Volk. Aber es fehlen die wärmenden und darum überzeugenden Worte, die freundlichen Gesten, die dem einfachen Manne gefallen und in denen die ' Entente so groß ist. Sie kosten wenig und sind so nützlich! Wenn Balfour Syrier, Armenier und Juden empfängt, spricht er „von den Verdiensten ihrer alten Rassen, von ihren unverjährbaren Ansprüchen und der Freude, ihnen helfen zu dürfen/4 Wilson betont sein „tiefes Interesse am Wiederaufbau Palästinas"; Das mögen Phrasen sein, hinter denen sich die Eigensucht birgt. Aber es erfreut, es wirbt Freunde, schafft freiwillige Helfer. Natürlich tun's Worte nicht allein. Auch nüchterne Kundgebr ngen haben einen Zweck, wenn den Worten die Taten ontfprechen. Aber leider sucht man danach vergebens. Hieß es nicht in den Aufrufen der Heeresleitungen an die polnischen Juden vom August 1914: „Unsere Fahnen bringen Euch Hecht und Freiheit: Freiheit zu arbeiten ungestört in allen Zweigen des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens in Eurem Geist.41 Hat sich dieses Versprechen erfüllt? Hat man sich wirklich der von den Polen bedrängten Juden angenommen und ihnen „kulturelle Freiheit, im eigenen Geiste zu schaffen", erwirkt? Ging nicht später in alle Welt das CommuniquG der deutschen Reichskanzlei, wonach den