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Neue jüdische Monatshefte · 1918-09-10 · Heft 23 (10.9.1918) · p. Seite 530

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 23 (10.9.1918)
Article
Der Antisemitismus
Date
1918-09-10
Page
Seite 530 (sequence 4)
Language
German
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achtnng als Juden und durch unser politisches Interesse als Deutscho dazu gezwungen, mit allem Ernst dagegen Protest einzulegen. Als Deutsche! Wir haben richtig gesehen, wenn wir davon ausgingen, daß, deutsche und jüdische Interessen parallel laufen. Die relativ kleine internationale Gruppe der Juden leidet wie keine unter diesem Kriege, spielt aber dafür auch eine im Verhältnis zu ihrer Zahl, ganz ungeheure Rolle. Weil das zaristische Rußland sie zu Hunderttausenden ausgetrieben hat, besteht heute ein Riosenghotto in New York, dessen politische Haltung und dessen Presse so etwas wie das Zünglein an der Wage der politischen Parteien der ganzen nordamerikanischen Union darstellt. Weil der Antisemitismus überall dio Juden mehr oder weniger von allen Stellungen der offiziellen Macht in Hcor und Beamtentum ausgeschlossen hat, haben sio selbstverständlich die Macht dort erstrebt und erlangt, wo sio erreichbar war: in der Presse und im mobilen Reichtum. So sind Bie heute im großen Schachspiel auf dorn Brett der Weltpolitik ein sehr wichtiger Bauer geworden, mit starkem Einfluß auf die öffentliche Meinung der EntenteUlnder, Neutraliens und vor allem Rußlands. Sind wir wirklich stark genug, um eine internationale. Macht dieser Größe zwecklos gegen uns mobil zu machen? Ea ist, fürchte ich, nur zu gut gelungen. Englands überlegene politische Kunst hat die Situation klar erkannt und tut alles Erdenkliche, umdiese Macht ganz für sich zu gewinnen. Es verbreitet die Nachricht, daß die sehr wenig befriedigende Lösung des rumänischen Judenproblems nur den deutschen Unterhändlern zuzuschreiben ist, rühmt sich, die Entente würde viel mehr durchgesetzt haben, und verspricht, im endgültigen" Frieden viel mehr durchzusetzen; füttert dio Presse mit Gold und Nachrichten, entsendet überall hin Juden als Botschafter und hohe Beamte der Gesandtschaften, hütschelt den Zionismus, pflegt die palästinensische Judenschaft mit zartester und freigiebigster Hand, verspricht den Judonstaat HerzPs, paradiert im bengalischen Licht der Fürsorge für die Rechte der Nationalitäten und kleinen Nationen, und sorgt schmunzelnd dafür, daß allo wenigor judenfreundlichen Maßnahmen der Deutschen und namentlich der deutschen Regierung in passender Aufmachung und pikanter Tunke als redende Zeugnisse unserer reaktionären Gesinnung der weitesten Öffentlichkeit aufgetischt werden. Die sehr einflußreichen Juden Neutraliens, der Schweiz, Hollands, Skandinaviens, dürfen für die Dauer dieses Krieges und der Friedensverhandlungen für Deutschland nicht verloren gehen. Solch ein Verlust würde eia relativ starkes Gewicht in. die Wagschale unserer Gegner werfen. Die. ungeheure Möglichkeit aber, das deutsch-verstehende JHandolsvolk par excellence des gesamten Ostens für den Wiederaufbau, unseres Handels zu verwerten, der solche Hilfe bitter nötig hat, darf nicht völlig, verschüttet werden. Große Dingo sind zu vollziehen. Aus dem alten Preußen soll das neu© Deutschland werden. Der Vorgang kann nicht verhindert werden, abb? maa kann die Kräfte, die ihn herbeiführen werden, stauen und

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