Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 23 (10.9.1918)
- Article
- Der Antisemitismus
- Date
- 1918-09-10
- Page
- Seite 531 (sequence 5)
- Language
- German
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531 dadurch zur äußersten Gefährlichkeit*8pannen. Wir hatten gehofft und hoffen noch, daß der Übergang friedlich erfolgen wird. Aber die Klasse, gegen die wir zu kämpfen haben, hat nichts gelernt und nichts vergessen: wenn sie die Mehrheit des Volkes in das radikalste Lager treiben will, so wird sie die Folgen am schwersten verspüren —■ leider auch ganz Deutschland mit ihr. Flavias Josephus Kulturgeschichtliche Skizze von Dr. E. Brandenburg, München. £&Sx€em armen Josephus geht es in mancher Beziehung in den sog, gebildeten Kreisen wie gewissen Klassikern, wie Wieland, is^S> Lessing, ja sogar Schiller und Goethe, die als die „schönste Festgabe für das deutsche Hausu wohl eingebunden im Bücherschrank stehen aber — kaum gelesen werden. Wohl ihnen, daß sie Goldschnitt haben, sonst würde man sogar gleich sehen können, daß sie nie aufgeschnitten'wurden! Man erinnert sich des Josephus wohl von der Universität her, zitiert ihn mit hochweiser Miene, wenn das für die Allgemeinheit so gänzlich überflüssige Thema der historischen Persönlichkeit Christi erörtert wird, aber wer hat ihn wirklich gelesen, d. h. durchgearbeitet?! Vielleicht nur wrenige Leute vom Fach, und auch da betrachtet man ihn etwas sauer-süß; die Archäologen, Theologen, Historiker und Philologen schieben ihn sich gegenseitig zu, weil er keinem recht in sein Gebiet paßt. Ich selbst habe ihn zuerst aus rein archäologischem Interesse gelesen und in ihm manches recht Wertvolle gefunden. Dann aber wurde ich auf noch manches andere aufmerksam und nahm ihn mir nochmals gründlich vom kulturgeschichtlichen Standpunkt aus vor. Sein Leben, um es kurz zusammenzufassen, war am Werden und Durcheinander der damaligen Zeit gemessen eigentlich sehr einfach: aus einer vornehmen jüdischen Familie stammend, ließ ihn sein Such™ nach Wahrheit diese in den Lehren der drei Sekten suchen, um sich endlich gänzlich den Pharisäern anzuschließen, welcher Begriff damals natürlich ganz etwas anderes wie heute bedeutete. Als dann der letzte Kampf des jüdischen Staates gegen den die Welt umklammernden Polypen Rom ausbrach, wurde Jesephus zum Statthalter von Galiläa eingesetzt. Doch die römischen Truppen drangen immer weiter vor und Josephus mußte sich mit wenigen Getreuen in die Bergfeste Jota-pata flüchten, die er in wahrhaft heldenhafter Weise gegen eine erdrückende Übermacht verteidigte. Als sich die Festung endlich ergeben und man befürchten mußte, daß die durch den langen Widerstand erbitterten Kömer die ganze Besatzung über die Klinge springen lassen würden, gewinnt bei Josephus der Selbsterhaltungstrieb die Oberhand, er rettet sich durch List, allerdings in einer vielleicht nicht ganz einwandfreien Weise, die man ihm auch reichlich zum Vorwurf gemacht hat, die aber