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Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-25 · Heft 20-22 (25.7.1918) · p. Seite 519

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 20-22 (25.7.1918)
Article
Jüdische Volkskunde im Lichte der neuesten Forschung
Date
1918-07-25
Page
Seite 519 (sequence 4)
Language
German
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519 und wird noch heute peinlichst geübt. Ein anderer noch heute bei den Eingeborenen * Afrikas und Asiens üblicher Totenbrauch ist es, beim Vorübergehen an einem Grabe einen Stein darauf zu legen. Man will hierdurch den Grabhügel beschweren, damit die Seele des Toten nicht herauskommen kann, um einem zu schaden. Dieser Brauch ist von den Juden übernommen worden und wird noch heute selbst von solchen Juden gewissenhaft geübt, die sonst im Leben kein religiöses Zeremo nialgesetz beobachten. Natürlich wird diesem Brauche jetzt ein zeitgemäßer Grund untergeschoben. Fragen wir auf dem Köln-Deutbar Friedhof den Besucher eines Grabes, warum er beim Weggehen einen Stein darauf lege, so wird er darauf antworten: „Er soll dem Toten als Zeichen dienen, daß ich ihn aufgesucht habe14. In altisraelitischer Zeit wurde nur das Grab eines Sünders mit Steinen beworfen (Jos. 7, 25 f.). Gemäß der primitiven Vorstellung*wird der Tote von Leichendämonen behelligt. Damit er nun, solange er unbeerdigt ist, von diesen' •verschont bleibe, wurde seit den ältesten Zeiten der Leichnam von brennenden Lichtern umgeben; ja man legte sogar auch Lampen ins Grab. Denn vor Feuer haben Dämonen gewaltige Angst. Das Judentum duldete unsprünglich nur ein Licht zu Köpfen des Toten und deutete es als Seelenlicht um, unter Bezugnahme des biblischen Wortes: „Ein Licht Gottes ist die Seele des Menschen'4. Aber die Juden haben sich im Laufe der letzten Jahrhunderte nicht auf das eine Licht beschränkt, sondern sich hierin dem Brauche der andersgläubigen Umgebung angepaßt. So .wird in Köln der Sarg vollständig von Lichtern umstellt, In der Provinz Posen (z. B. Rogasen) von 10 Lichtern. Damit der Leichnam auch im Grabe nicht von Dämonen heimgesucht wTerde, drückt der Ostjude dem Toten beim Hineinlegen in den Saig eine Holzgabel mit zwei Spitzen in die Hand (?). Dieser von den Slawen übernommene Brauch wird sogar noch in dem Ritualbuch des Abraham Danzig (Chochmat Adam) gebilligt. Viele bei einem Sterbefalle geübten Bräuche sind vom deutschen Volke übernommen. So ist die Sitte, alles Wasser im Hause, wo ein Todesfall eingetreten i&t, auszugießen, im frühen Mittelalter von d<en Deutschen entlehnt worden. Nachträglich begTüridet der jüdische Volksglaube diese Sitte damit, daß der Todesengel in dem Wasser sein Schwert abgewaschen habe^ Ferner war es bei den Deutschen üblich, im Sterbezimmer einen Krug Wasser und ein Handtuch hinzustellen in dem Glauben, daß die Seele sich wasche, bevor sie den Gang zum himmlischen Richter antritt. Diesen Brauch, den gleichfalls die Juden übernahmen, haben zwar einzelne Rabbiner verboten, wie Abraham Danzig (im Chochmat Adam), aber er wird noch immer von westdeutschen und süddeutschen Juden peinlichst geübt Ich bin ihm In Köln schon mehrfach begegnet. Nur gegen einen im deutschen Mittelalter entlehnten Aberglauben sind alle rabbinischen Autoritäten schar:; aufgetreten, nämlich gegen die deutsche Unsitte, dem Sterbenden das Kopfkissen wegzunehmen in dem Glauben, ihm hierdurch den Todeskampf zu erleichtern. Mehr als 300 Jahre haben die Rabbiner dagegen

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