Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 20-22 (25.7.1918)
- Article
- Die New Yorker Jüdin
- Date
- 1918-07-25
- Page
- Seite 504 (sequence 6)
- Language
- German
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im Privatleben sehr unzulänglich. Die Wohnungen dieser jungen jüdischen Frauen entbehren allzuoft jener Behaglichkeit, die nur ein tiefes Interesse für das eigene Heim zu verbreiten vermag* Die Kinder bleiben sich selbst überlassen und werden im Übrigen recht schlecht erzogen, da in diesem Stadium ihrer Amerikanisierung die Mutter gewöhnlich schon eine der unsinnigsten amerikanischen Gewohnheiten angenommen hat: eine grenzenlose Verhätschelung ihrer Sprößlinge. Im ' übrigen macht sich in dieser zweiten Generation, auf amerikanischem Boden auch bereits eine weitere Assamilationserscheinung geltend: der .Mann-betrachtet seine Gattin als ein Wesen höherer Ordnung, und die Frau nimmt den ihrer Superiorität gebrachten Tribut seiner Verehrung als" eine Selbstverständlichkeit hin. Das Leben der verheirateten Frau verfließt nun zwischen dem Geschäft und dem, dank Dienstboten, Händlersystem, Restaurantessen, Vakuum, Telephon und anderen Einrichtungen bis zum Gipfel des Möglichen mechanisierten, Haushalt oder, gar dem häufig, allzu häufig als Domizil gewählten Boardinghouse. Ihr Dasein ist umrahmt von Theater- und Kinobesuchen und einer Geselligkeit, die den oberen Zehntausend das Räuspern und Spucken glücklich abgeguckt hat. Und ihr höchstes Streben ist es, den Kindern den Aufstieg in eine noch höhere, ■ lies reichere Gesellschaftsschicht zu ermöglichen. , Von dem, was in anderen Ländern die Haupttugenden der jüdischen Frau bildet: ihre häusliche Sorgfalt und warme Mütterlichkeit,, ihr Festhalten am Judentum und ihr Interesse an allem Geistigen ist bei dieser zweiten Generation in Amerika kaum die Rede. Selbstverständlich gibt es zahlreiche Jüdinnen, die sich durch besondere Talente oder ungewöhnlichen Fleiß zu anderen Berufen aufschwingen, aber auch bei ihnen ist häufig ein stark merkantilistischor Zug zu beobachten und ihr Aufstieg in einen höheren Beruf bedeutet , keineswegs immer den Aufstieg*' zu höheren Gesellschaftsklassen. Vor der jüdischen Studentin oder ausgebildeten Akademikerin, der Kunstgewerblerin oder Lehrerin, deren Elternhaus äuf der Ostseite gestanden ■ hat, schließen sich wohl nicht bewußt die Türen amerikanischer Gesellschaften, aber .sie fällt in ihnen aus dem Rahmen und bleibt für einen intimeren Verkehr doch meistens auf ihre jüdischen Berufs- und Bildungsgenossen angewiesen. Erst ganz allmählich, in der dritten oder vierten Generation der Eingewanderten, dürfte sich eine gewisse' Annäherung an die amerikanische Gesellschaft vollziehen, wie die soziale Stellung beweist, welche die Nachkommen der einige Jahrzehnte früher eingewanderten deutschen Juden drüben einnehmen. Die .von deutschen Eitern stammende amerikanische Jüdin ist der »aus Osteuropa stammenden in der Regel sozial überlegen. Sie kommt aus jenen Kreisen, die schon längst den Weg nach dem Westend gebunden haben und. ihn häufig dadurch leichter fanden, daß sie bereits T-M einer guten Ausrüstung an Kenntnissen und gesellschaftlichen Manioroa nach Amerika kamen.. Die Westend-Jüdin, die den Kreisen des einzigen amerikanischen „Adels", nllmlich. dos Geldadels, angehört, ist von der Ostend-Jüdin durch