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Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-25 · Heft 20-22 (25.7.1918) · p. Seite 503

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 20-22 (25.7.1918)
Article
Die New Yorker Jüdin
Date
1918-07-25
Page
Seite 503 (sequence 5)
Language
German
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503 jüdischen Milieus mit. jedem weiteren Tage im neuen Lande ab. (So erlebte ich hei einer Aufführung in einem jüdischen Theater, daß die anwesenden Mitglieder eines jüdischen Jugendvereins bei jedem Wort, das eine religiöse Handlung bezeichnet, wie „Hawdoloh" oder „Kadclisch", in lautes Gelächter ausbrachen,) Mit 14 oder 15 Jahren verläßt das jüdische Mädchen die Schule, um sich als Arbeiterin, Schneiderin, „shop-girl" oder Bürofräulein seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das Erziehungssystem trägt nun seine Flüchte: an Intelligenz sind die jungen Dinger so reif, daß sie beruflich Hervorragendes leisten und dadurch mit Leichtigkeit eine verblüffende Karriere machen; auch den Fragen des öffentlichen Lebens gegenüber sind sie von einem erstaunlichen Verständnis, was ich z. B. feststellen konnte, als ich in einem Klub von Arbeiterinnen zwischen 15 und 20 Jahren einer ungemein hochstehenden Diskussion über den damals gerade tobenden Schneiderstreik beiwohnte. Aber in allen , anderen Seiten ihres Privatlebens sind diese berufstüchtigen Mädchen gewöhnlich von einer erschreckenden Unkultur. Allein schon in ihrem Äußeren. Wer morgens zwischen 8 und 10 Uhr über den Broadway geht und Hunderten von jungen Mädchen — darunter zahlreichen Jüdinnen — begegnet, die mit fast lila gepuderten und geschminkten Gesichtern, nach oben und unten gleichmäßig kurzen-Seidenfähnchen und hohen Stöckelschuhen einhertrippeln, würde eher glauben, daß Dutzende von Freudenhäusern ihre Insassinnen ausgespien haben, aU daß hier Scharen höchst anständiger .Bürgermädchen in ihre Geschäfte eilen — in der naiven Meinung, in einem solchen Aufzuge „like ladJes" auszusehen und durch den Puderbelag den hellen Teint der echten Amerikanerin vortäuschen zu können. Auch in ihren Vergnügungen, bei denen das Kino und Vaudeviile eine bedeutende Rolle spielt, sind sie fern jeglicher Kultur, und.erst in den letzten Jahren bemühen sich die Young Womens Hebrew Association und andere Mädehenbiidungs- .vereine, den Geschmack der jungen Jüdinnen durch künstlerische Veranstaltungen zu heben. Gedankenlos, aber In den meisten Fällen recht anständig sind die geselligen Vergnügungen dieser jungen Mädchen., zu denen sie gewöhnlich durch irgendeinen Verein gelangen, und wo sich der Verkehr mit dem anderen Geschlecht anbahnt, der, bis auf die unvermeidlichen Ausnahmen, selten über einen hannlosen Flirt hinausgeht und oft zur Ehe führt. Die Ehe mit einem jungen Manne, dessen Entwicklung sich im wesentlichen ebenso vollzogen hat wie die des Mädchens, bringt meistens eine Veränderung, die nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch in ihrer sozialen Wirkung von Bedeutung ist, mit sich: das junge Paar strebt nämlich, aus den* Judenviertel heraus nach einem feineren Stadtviertel zu ziehen. Es gibt in New York gewisse Übergangsvicrtel, z. 6. Hadem, in denen sich, vorwiegend jüdische junge .Ehepaare, deren Elternhaus irgendwo auf der Ostseite steht, ansiedeln. Die Mehrzahl der jungen Frauen bleibt auch nach der Verheiratung berufstätig, entweder im Geschäft des Gatten oder in einem fremder Betrieb und erweist sich weiter als Geschäftsfrau sehr' brauchbar und

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